2014 – Eine dramatische Bilanz

Traurige Gewissheit
Nun ist es offiziell: 2014 war doch tatsächlich das global wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn 1880! Eine Bilanz, wie sie alarmierender nicht sein kann. Medial aber kaum Beachtung findet – ein Umstand, der mindestens genauso bedenklich ist, wie die Meldung selbst. Wenn nicht gar beunruhigender.

Unterschiedlich und doch gleich
Die drei wichtigsten Wetterdienste der Welt – der amerikanische Wetterdienst (National Oceanic and Atmospheric Administration), der japanische (Japan Meteorological Agency) sowie der britische (Met Office) kommen alle zu einem im Detail zwar leicht differierenden, im Gesamtkontext allerdings gleichen Ergebnis: 2014 hat global einen neuen Temperaturrekord aufgestellt. Dieses Ergebnis wird von der NASA (National Aeronautics and Space Administration) sowie weiteren kleineren Organisationen gestützt (wie Berkeley Earth1).

Globale Temperaturanomalien

Globale Temperaturanomalien seit 1880 der drei großen Wetterdienste NOAA, JMA & Met Office sowie der NASA. Alle 4 zeigen einen neuen Höchststand 2014 – auch wenn das Ergebnis im Detail variiert. (Quelle: NASA Earth Obervatory)

Ohne Jolly!
2014 war somit das 38te Jahr in Folge, das global zu warm war; 9 der 10 wärmsten Jahre kommen aus dem 21. Jahrhundert, in den Top 20 liegen gar alle (!) aus den 2000ern – der Rest ist ausschließlich mit Jahren aus den 90ern bestückt. Besonders bedenklich ist, dass dieser Stockerlpatz ohne El Nino-Unterstützung – also ohne den Wärmejoker schlechthin – erreicht wurde (anders als beispielsweise 1998)! All das wäre bereits erwähnenswert. Nun aber kommt das Zuckerl.

Die global heißesten Jahre

Top 10 der global wärmsten Jahre! (Daten: NOAA, Graphik: wetterblog.at)

Entkoppelung
Man muss wissen, dass man bei der globalen Temperaturanalyse nicht nur die Landoberfläche hernimmt, sondern auch die Meeresoberfläche. Die Kombi der beiden ergibt dann die globale Mitteltemperatur – was Sinn macht, besteht ja die Erdoberfläche zu rund 2/3 aus Wasser. Erst wenn wir aber Land und Ozean entkoppeln, wird die Dramatik dieses Ergebnisses so richtig klar!

Diese Amis …
Die globale Landoberflächentemperatur alleine belegt nämlich bloß Platz 4 der wärmsten Jahre ever – und das, obwohl in vielen Regionen der Erde, allen voran in großen Teilen Europas (inklusive Österreich), aber auch an der US-Westküste, in Alaska, an der Ostküste Russlands, in Teilen Nordafrikas, Australiens und Südamerikas Rekordwärme verzeichnet wurde. Hier hat nämlich ein Umstand die Bilanz „geschönert“: die US-Ostküste war 2014 gleich mehrmals von Kältewellen betroffen – genug, um das Gesamtergebnis zu drücken.

2014 - Globale Temperaturanomalie

Graphische Visualisierung der Temperaturanomalie für 2014. Heraus sticht die kalte US-Ostküste sowie das warme Europa. (Quelle: Berkeley Earth)

3 auf einen Streich
Bei den Ozeanen hingegen gilt Alarmstufe Rot! Sie sind es nämlich, die für den globalen Rekord verantwortlich zeichnen – von Mai bis November brachten sie Monatsrekorde, gleich 3x wurde ein neuer Allzeit-Rekord aufgestellt: erst im Juni, dann im August und zuletzt im September. Noch nie, auch in keinem Sommermonat, war also die Meeresoberfläche je so warm wie im September 2014! Und das, wie gesagt, ganz ohne El Nino.

Physik, Unterstufe
Das Dramatische daran: Die Wärmekapazität von Wasser ist um ein Vielfaches höher, als die von Land. Soll heißen: Um eine Wasseroberfläche auf eine bestimmte Temperatur zu erwärmen, ist mehr Energie nötig, als bei der Erwärmung der Erdoberfläche. Genau das ist der Grund, warum man am ersten Sommertag nicht gleich in den Badesee hupfen kann – das Wasser braucht seine Zeit, bis es warm ist. Oder warum das Klima in Großbritannien im Sommer ein eher kühles ist – das umgebende Meerwasser wird ebenfalls nur langsam warm (und wenn es dann warm ist, setzt auch schon der Herbst ein).

Mehr drin
Auf der anderen Seite wiederum heißt das aber auch, dass Wasser extrem lange braucht, um wieder abzukühlen. Klar, wir haben ja auch mehr Energie (Wärme) reingesteckt. Und genau hier liegt die Tragödie: Die Rekordwärme unserer Ozeane wird so schnell nicht vom Tisch sein – im Gegenteil! Ein Teufelskreislauf droht, aus dem rauszukommen, wahnsinnig schwer sein wird.

Fortsetzung 2015?
Blöd, dass just die Ozeane maßgeblichen Einfluss auf unser Wetter haben. Der Winter heuer zeigt es ja recht eindrucksvoll: Sämtliche Meere rund um Europa – egal ob Atlantik, Nord-, Ostsee oder Mittelmeer – sind für die Jahreszeit ungewöhnlich warm und Grund dafür, dass auch 2015, obwohl erst wenige Tage alt, bereits neue Temperaturrekorde brachte. Man darf gespannt sein, was das Jahr sonst noch alles bringt …

PS: Maßgeblich verantwortlich sind ohne Zweifel Treibhausgase. Bereits am 1. Jänner 2015 wurde ein globaler Tagesmittelwert von 400 ppm CO2 gemessen2 –  zwar kein neuer Höchststand, so früh im Jahr allerdings noch nicht vorgekommen. Beängstigend: Als ich auf der Uni war (zugegeben, recht lange), hab ich noch einen Jahresmittelwert von 380 ppm gelernt …


Fußnoten:
Berkeley Earth ist eine non-profit Organisation und hat den einzig mir bekannten Bericht veröffentlicht, der diesen Rekord leicht in Frage stellt und dies mit Messunsicherheiten begründet (online verfügbar)
2 parts per million. Ich hoffe, ihr seid jetzt klüger! Schmäh ohne, das jetzt zu erklären, würde diesen Artikel sprengen. Ich sag nur: Stichwort Keeling Kurve.

 

14 Kommentare
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Einzelereignisse kann und darf man nicht dem Klimawandel zuschreiben. Abgesehen davon, glaubst du wirklich, dass die Schneefälle in Osttirol und Oberkärnten vom Winter 2013/14 im globalen Kontext eine Rolle spielen?
      SG
      Manuel

      Antworten
  1. Christine
    Christine says:

    Lieber Manuel,
    jetzt stellt sich mir die Frage: welchen Unterschied macht es, ob eine Kalt- oder Warmphase anthropogen ist oder nicht, wenn sich diese ohnehin immer abwechseln. Haben wir damit zu rechnen, dass es zu keiner Kaltphase mehr kommen könnte und sich die Erde letztlich – etwas holprig formuliert – überhitzt? Gibt es denn eine Regelmäßigkeit in der „natürlichen“ Dauer der jeweiligen Kalt- oder Warmphasen? Und woraus kann man auf eine solche schließen?
    Lg
    Christine (und danke schon mal für deine interessanten Antworten!)

    Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Liebe Christine!
      Interessante Fragen! Der Unterschied ist: Die jetzige Erwärmung geht mit einer Geschwindigkeit einher, die in der Klimageschichte ihresgleichen sucht! Das ist der Punkt. Dahingehend wird es für die Flora und Fauna immens schwer, sich anzupassen. Kältewellen wird es zwar auch in Zukunft geben, aber weitaus seltener.
      Bezüglich der Dauer gibt es keine Regelmäßigkeit, außer dass Warmzeiten außerhalb von Eiszeiten (also Pole unvergletschert, was eigentlich dem „Normalklima“ der Erde entspricht) deutlich länger sind, als Eiszeiten. Die Glaziale und Interglaziale (also Warm- und Kaltzeiten in Eiszeiten) sind soweit ich weiß keiner Regelmäßigkeit unterworfen. Der Unterschied zwischen Glazial und Interglazial ist: Während des Glazials (also Kaltzeit in der Eiszeit) sind auch weite Teile Amerikas und Eurasiens vergletschert – erst vor rund 12000 Jahren, als unser heutiges Interglazial (Holozän genannt) begann, war mit dem Rückzug der kontinentalen Gletscher beispielsweise erst der Aufschwung des Menschen möglich!

      Es ist wegen der Begrifflichkeiten ein wenig kompliziert, ich weiß. Aber ich hoffe es ist verständlich (und ich habe keine Fehler gemacht)! :)
      SG
      Manuel

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    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Liebe Denise,
      das wird davon abhängen, inwieweit wir alle imstande bzw. bereit sind, Treibhausgase einzusparen.
      Das Ziel der Vereinten Nationen ist ja, die Erwärmung global auf +2° zu beschränken. Da wir aktuell schon bei +0,85° sind, wird es schwer, dieses Ziel zu erreichen.
      Ein paar Details zu Klimawandel in Österreich kannst du hier nachlesen: Rot-weiß-roter Klimawandel!
      SG
      Manuel

      Antworten
  2. Christine
    Christine says:

    Könntest du das bitte etwas näher erklären – Warmzeit innerhalb einer Eiszeit? Das hieße ja, dass derzeit eigentlich eine Eiszeit ist, oder?

    Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Liebe Christine!
      Vollkommen richtig! Grob lässt sich sagen: solange die Pole vergletschert sind bzw. große Eisschilde (wie Grönland, Island) auf der Erde vorhanden sind, befinden wir uns in einer Eiszeit – in der es Warmphasen (Interglaziale) und Kaltphasen (Glaziale) gibt!
      SG
      Manuel

      Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Liebe Ana!
      Da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Auf deine Frage muss ich nämlich mit nein antworten – gleichzeitig glaub ich aber, dass du die Frage anders gemeint hast!
      Prinzipiell befinden wir uns seit rund 12000 Jahren in einer Warmzeit (Holozän genannt) und das interessante ist: Zu Beginn dieser Warmzeit war es um einiges wärmer als heute! Allerdings – und das ist der Punkt – befinden wir uns seit rund 5000 Jahren in einer stetigen Abkühlung, die natürlichen Ursprungs ist (das Klima der Erde ist ja variabel) – bis ins 20. Jahrhundert. Hier lässt sich eindeutig ein rasanter Temperaturanstieg nachweisen, der mit großer Wahrscheinlichkeit anthropogenen Ursprungs ist (also vom Menschen verursacht). Die letzten 30 Jahre beispielsweise waren die wärmste Periode seit mindestens 1400 Jahren!

      Danke für deine Frage,
      Manuel

      Antworten
  3. dino
    dino says:

    Auch die Erde hat ihre Jahreszeiten..nicht umsonst lebten Dino Saurier am Nordpol also warm….und verschwanden im Eis…also kalt…wir gehen jetzt einfach von der letzten Eiszeit (Winter) in den Sommer der Erde…im Moment (für die nächsten 10.000 Jahre) ist ‚April‘ daher das wechselhafte Wetter hört doch endlich mit der Panikmache auf

    Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Dein Kommentar hat einen großen Denkfehler: Wir befinden uns derzeit in einem Interglazial – also einer Warmzeit innerhalb einer Eiszeit.
      SG
      Manuel

      Antworten
  4. stefan
    stefan says:

    Eine frage zu El Nino? Du schreibst, dass der „Joker“ diesmal nicht mitgewirkt hat,
    aber wann kommt es eigentlich zu diesem Phänomen?
    lg,
    stefan

    Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen says:

      Lieber Stefan!
      El Nino ist ein immer wiederkehrendes, allerdings nicht periodisches, natürliches Klimaphänomen, welches durch ungewöhnlich hohe Temperaturen im (östlichen) äquatorialen Pazifik charakterisiert ist. Dazu kommt es, weil die sonst vorherrschenden Passatwinde einschlafen oder gar umkehren, was wiederum Auswirkungen auf die Meeresströmungen und damit auf das Wetter hat – die Folge sind Trockenheit und Dürre in Südostasien, Australien, teils auch in Südafrika, während an der Westküste Südamerikas massive Regenfälle und Überflutungen auftreten.
      In der Regel tritt dieses Phänomen alle 3-5 Jahre auf, allerdings lässt es sich nur schwer bis gar nicht vorhersagen. El Nino beginnt zumeist um Weihnachten (daher der Name, span. „Christkind“) und kann über ein Jahr dauern – wie eben 1997/98. Das letzte (allerdings moderate) El Nino Jahr war 2009/10 – weshalb die Wissenschaft für heuer eines erwartet.
      Übrigens: Ein Einfluss auf Europa ist wissenschaftlich nicht bestätigt!
      Ich hoffe, ich konnte deine Frage beantworten!
      SG
      Manuel

      Antworten

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