Sommer 2026: Der Hölle Zäsur
Historischer Wendepunkt
Beispiellose Hitze, historische Trockenheit, versiegende Flüsse und Seen, Grundwasserpegel auf Tiefststand, Trinkwassermangel, Waldbrände enormen Ausmaßes, sterbende Gletscher, viele Hitzetote: Der Sommer 2026 bricht mit allem bisher Dagewesenen und offenbart die Verwundbarkeit unserer Gesellschaft gegenüber der Klimakrise schonungslos. Er geht als unermessliche Naturkatastrophe zu Ende und hinterlässt ein vertrocknetes Land, pulverisierte Wetterrekorde, zerstörte Existenzen, Schäden in Milliardenhöhe – und die große Sorge, dass alles erst der Anfang war. Die Pforten der Hölle sind durchschritten, willkommen in einer neuen Klima-Ära!
Übertreibung?
Manche mögen jetzt die Nase rümpfen ob der drastischen Höllen-Zuspitzung. Doch die letzten 3 Monate lassen selbst gestandene Meteorolog:innen fassungslos zurückblicken: Niemals zuvor seit Messbeginn 1767 war ein Sommer heißer, niemals zuvor gab es eine derartige Flut an Ausnahmewerten, ja strenggenommen gibt es kaum noch Temperaturrekorde, die dieser Sommer unberührt gelassen hätte! Zahlreiche davon wurden nicht nur übertroffen, sondern förmlich pulverisiert; so manches schien statistisch gar nicht möglich, wurde jedoch Realität. Und über allem thronte dann noch die nicht enden wollende Dürre samt Folgeerscheinungen … doch der Reihe nach. Schauen wir uns an, warum das Attribut höllisch in diesem Sommer in vielerlei Hinsicht gerechtfertigt scheint, allen voran, da Hitze und Trockenheit stets einen Teufelskreis bilden.
Prolog: Dellach & der erste 40er
Wir schreiben das Jahr 1983 – eine für damalige Maßstäbe außerordentlich heftige Hitzewelle überrollt Ende Juli das Land; an mehr als der Hälfte aller damals verfügbaren Wetterstationen (124 von 227, also 55 %) wird ein Hitzerekord verzeichnet. Sie gipfelte am 27. Juli, als in Dellach im Kärntner Drautal ein Maximalwert von 39,7 Grad gemessen wird – österreichischer Allzeitrekord. Fast ein Vierteljahrhundert lang konnte diesem nichts und niemand gefährlich werden, erst im Juli 2007 wurde es eng, als das Burgenland zum Angriff blies – mit 39,5 Grad in Andau am 20. d. M. allerdings knapp scheiterte. Es sollte dann weitere 6 Jahre brauchen, bis der Dellacher Rekord schließlich im August 2013 überboten wurde: Erst von Dellach selbst mit 39,9 Grad (am 05. August), wenige Tage später von Hohenau (NÖ) ebenfalls mit 39,9 Grad, Güssing (B) mit 40,0 Grad, Neusiedl am See (B) mit 40,3 und Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) mit 40,5 Grad (alle am 08. August). An jenem denkwürdigen Tag fiel also zum ersten Mal die 40-Grad-Marke in Österreich, an 113 (von damals 260, 43 %) Stationen purzelten Hitzerekorde. Abseits dieser zwei historischen Hitzewellen – 1983 und 2013 – gibt es vielleicht noch eine Handvoll weiterer, die in der österreichischen Klimageschichte herausragend waren: 1994 oder 2018 zum Beispiel, beide um den Monatswechsel Juli/August, die weniger der Extremwerte wegen als viel mehr der Dauer herausstechen. Auch jene aus den Jahren 2003 und 2015 seien erwähnt, die Anfang August wüteten und eine Vielzahl an sehr heißen Tagen (also ≥ 35 Grad) brachten. Viele Hitzerekorde der Vergangenheit stammen aus einer dieser Hitzewellen; sie alle rollten – nicht ganz zufällig – in der klimatologisch heißesten Zeit des Jahres über das Land, den sogenannten Hundstagen (23. Juli bis 23. August).
Frühlingsouvertüre
Damit verlassen wir den kurzen Rückblick in die Vergangenheit und beschreiten den Höllenpfad 2026, beginnend mit der 1. Hitzewelle des Jahres, die noch nicht mal dem Sommer zuzuschreiben ist. Zum ersten Mal zugeschlagen hat die Hitze heuer nämlich bereits im Mai: Am 23. d. M. wurde in Tirol (Haiming, Innsbruck, Lienz) erstmals die 30-Grad-Marke geknackt. Selbiges ist an sich keine Hexerei; dass in der letzten Mai-Dekade die ersten 30er des Jahres fallen, ist durchaus erwartbar. Dass sich das aber postwendend zu einer veritablen Hitzewelle mausert, weniger: In Kärnten wurde an 8 Tagen in Folge der 30er geknackt – noch kein Frühling zuvor brachte unserem südlichsten Bundesland eine längere Serie an heißen Tagen (alter Rekord: 5 Tage / 2017). Auch Salzburg, Vorarlberg und Wien stellen mit jeweils 4 Tagen in Folge einen Rekord auf (alt: 3 Tage in Sbg & Vbg / u.a. 2017, 4 Tage in Wien / 2005). Auf Stationsebene brachte der Mai 2026 gar vielerorts die erste Frühlings-Hitzewelle überhaupt, etwa in Bregenz (V, 4 Tage in Folge), Dornbirn (V, 3 Tage), Friesach (K, 3 Tage), Hermagor (K, 4 Tage), Schärding (OÖ, 4 Tage), Kremsmünster (OÖ, 3 Tage), Frohnleiten (ST, 4 Tage) oder Wieselburg (NÖ, 4 Tage) – um nur einige zu nennen.
Seinen Höhepunkt erreichte der hitzige Mai am 26. d. M., als die Hälfte aller Stationen im österreichischen Messnetz (139 von 276) die 30-Grad-Marke knackte – so viele wie noch nie an einem Frühlingstag zuvor (alter Rekord: 128 Stationen am 29. Mai 2005). Am Ende verbuchen sohin etliche Stationen einen Monatsrekord an heißen Tagen, unter anderem Eisenstadt (B), Klagenfurt (K) und Bregenz (V), in Linz (OÖ) und Graz (ST) wurde selbiger eingestellt. Abseits der Landeshauptstädte auch in Bludenz (V), Feldkirch (V), Villach (K), Spittal an der Drau (K) , Bad Radkersburg (ST), Leoben (ST), Krems (NÖ), Gänserndorf (NÖ), Schärding (OÖ) oder Reichersberg (OÖ) – in Summe sind es 84 Stationen.
Spitzenreiter war übrigens Lienz (T), das mit 8 heißen Maitagen den alten Rekord von 3 (2005 & 2001) geradezu pulverisierte (und mit 33,3 Grad am 26. d. M. auch noch einen Frühlings-Hitzerekord verzeichnete, Messbeginn 1938). Zum Vergleich: Selbst im August kommt Lienz im langjährigen Mittel nur auf 4 heiße Tage – oder anders ausgedrückt: Der Frühlingsmonat Mai brachte heuer doppelt so viel Hitze wie normal der Hochsommermonat August. Absurd? Definitiv. Doch nur wenige Wochen später sollte diese Hitze-Ouvertüre auch schon wieder harmlos anmuten.
Die Anzahl der heißen Tage (Höchstwert ≥ 30 Grad) der Landeshauptstädte im Mai im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 sowie den Rekordwerten.
| Ort | Mai 2026 | 1991-2020 |
Rekord |
| Wien – Hohe Warte | 2 | 0,3 | 3 / 2005, 1958 |
| St. Pölten | 2 | 0,4 | 6 / 1958 |
| Eisenstadt | 4 | 0,4 | Rekord, alt 3 /2005, 1958 |
| Linz | 3 | 0,6 | Rekord eingestellt, 3 / 2018, 2017 |
| Salzburg – Flughafen | 5 | 0,4 | 7 / 1931 |
| Innsbruck – Universität | 4 | 1,6 | 7 / 1931 |
| Bregenz | 4 | 0,2 | Rekord, alt 2 / 2017, 2009 |
| Graz – Universität | 4 | 0,5 | Rekord eingestellt, alt 4 /1958 |
| Klagenfurt | 4 | 0,6 | Rekord, alt 3 / 2005, 2003 |
| Lienz | 8 | 0,5 | Rekord, alt 3 / 2005, 2001 |
Wonniger Teufelsgrundstein
So herausragend die Mai-Hitze auch war, für die Sommerbilanz ist sie an sich irrelevant, doch nahezu fatal für den folgenden Sommer. Denn Hitzewellen gehen häufig mit Dürre einher – das war in diesem Mai nicht anders. Trockenheit herrschte in Österreich schon lange zuvor, der Winter war schneearm (siehe Winterrückblick), auch März und April brachten kaum Niederschläge. Doch mit dem Mai wurde der Grundstein für den anfangs angesprochenen Teufelskreislauf gelegt: Der Mai an sich ist nämlich ein niederschlagsreicher Monat, nicht umsonst trägt er den Namen Wonnemonat, das etymologisch nichts mit der heutigen Bedeutung von Wonne zu tun hat, sondern auf Weide zurückgeht; der Mai war also einst jener Monat, an dem das Vieh auf saftig grünen Weiden entlassen wurde. Bleiben Mai-Niederschläge aus, ist das also per se schon mal nicht gut für saftig grüne Weiden. Heuer kommen die trockene Vorgeschichte und eben das außergewöhnlich heiße Frühlingsende hinzu.
Gewitterkunde für Dummies
Trockenheit im Frühjahr ist dabei häufig ein Indiz für einen ebenso trockenen Sommer, da mit dem Fehlen von Bodenfeuchtigkeit ein ganz wesentliches Sommer-Charakteristikum nicht oder nur schwer in die Gänge kommt: Die Gewittermaschinerie. Für Gewitter braucht es grundsätzlich 3 Zutaten: Genug Feuchte, Labilität und einen Auslöser. Die Feuchtigkeit dient dabei als „Treibstoff“, die Labilität ermöglicht es, dass warme Luft aufsteigen kann, und der Auslöser, dass sie auch aufsteigt. In Österreich ist der Auslöser dank Alpen so gut wie immer gegeben (ein Berg zwingt die Luft zum Aufsteigen), die Labilität häufig (in der Höhe ist es in der Regel kühler als im Tal), die Treibstoffverfügbarkeit allerdings stark (auch) vom Frühjahr abhängig. Fehlt der Feuchte-Nachschub, ist die Gewittertätigkeit unterdrückt bzw. kommt gänzlich zum Erliegen. Damit mangelt es nun aber in Folge an einem wesentlichen Beitrag sommerlicher Niederschläge – doch das ist erst der Anfang des Teufels Spielereien.
Denn Trockenheit hat auch Einfluss auf die Temperatur. Man muss wissen, dass die Erwärmung der Luft grundsätzlich über den Boden erfolgt: Die kurzwellige Sonnenstrahlung passiert die Luft nämlich nahezu ungehindert, erwärmt den Boden, und erst dieser (durch langwellige Abstrahlung) die Luft. Ein Teil der Energie wird dabei für Verdunstung aufgewendet, was dem Schwitzen gleichkommt – durch die Verdunstung des Schweißes kühlt die Haut, man spricht von Verdunstungskühlung. Ein Teil der Sonnenenergie wird also stets für Verdunstung eingesetzt. Ist nun aber nichts mehr da zum Verdunsten – weil Trockenheit – , steht mehr Energie für das Erwärmen der Luft zur Verfügung. Et voilà: Die Teufelsspirale dreht sich nicht nur munter weiter, sie zieht auch immer weitere Kreise. Denn es gilt: Je heißer die Luft, umso mehr kann verdunsten, je mehr verdunstet, umso trockener wird der Boden, je trockener der Boden, desto unmotivierter die Gewitter, je weniger Gewitter, desto trockener, umso trockener, desto heißer, usw., usw.
Akt I: Mit Vollgas in die Hölle
Mit geballtem Hintergrundwissen widmen wir uns nun Hitzewelle Nr. 2, die vollends dem Sommer 2026 zuzurechnen ist und Österreichs Klimageschichte in den Grundfesten erschüttern sollte. Wir befinden uns Mitte Juni, die Schafskälte hat im Vorfeld Hoffnungen auf eine Wende punkto Trockenheit und Hitze geschürt, doch es ist alles anders gekommen. Am 17. Juni 2026 beginnt eine Hitzewelle, die österreichweit bis zum 19. Juli und damit satte 33 Tage andauern sollte. Fucking 33 Tage! Was zuvor noch nicht mal ein Hochsommer hingelegt hat, schüttelt plötzlich ein Juni aus dem Ärmel: Niemals zuvor hat eine Hitzewelle derart lange unser Land überrollt. Die bis dahin längste Hitzewelle (Serie an Tagen, an dem stationsunabhängig mehr als 30 Grad in Österreich gemessen werden) datierte aus dem Hochsommer 1994 mit 31 Tagen. Die längste Hitzewelle mit Start in einem Juni kam bislang überhaupt nur auf eine Dauer von 19 Tagen! Also sowohl die Länge, wie auch das zeitliche Auftreten (bereits im Frühsommer) stellen an sich schon einen beispiellosen Einschnitt in der österreichischen Klimageschichte dar. Doch dem längst nicht genug …
Von Hitze geflutet
Ab dem 25. Juni sollten dabei österreichweit die Rekorde purzeln, und zwar in einer Flut, wie sie selbst auch schon wieder beispiellos ist. Innerhalb einer Woche fielen 352 Junirekorde, 96 Stationsrekorde, 106 Rekorde für die wärmste Juninacht, sowie 33 Rekorde für die wärmste Nacht überhaupt. Zum Höhepunkt wurde an gleich 3 Tagen in Folge der österreichweite Junirekord von 38,6 Grad aus dem Jahre 2013 (damals in Waidhofen an der Ybbs, NÖ) deutlich überboten: Zuerst am 27. d. M. mit 39,3 Grad in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ), tags darauf am 28. mit 40,0 Grad in der Wiener Innenstadt, sowie am 29. Juni mit 40,1 Grad in (wieder) Bad Deutsch-Altenburg.
Die Anzahl jener Stationen, die im Juni 2026 einen Rekord aufgestellt haben.
| Datum | Juni-Rekord | Absolutrekord | Wärmste Nacht Juni | Wärmste Nacht absolut |
| 25. Juni 2026 | 4 | 0 | 0 | 0 |
| 26. Juni 2026 | 22 | 1 | 2 | 1 |
| 27. Juni 2026 | 121 | 30 | 17 | 4 |
| 28. Juni 2026 | 121 | 47 | 32 | 8 |
| 29. Juni 2026 | 62 | 16 | 36 | 16 |
| 30. Juni 2026 | 22 | 2 | 19 | 4 |
Wiener Allzeitrekord
Falls sich jetzt wer wundert, wie denn bei einer Stationsanzahl von 276 gleich 352 Junirekorde auftreten können – nun, an vielen Stationen ist der Rekord über Tage hinweg gefallen, wie zum Beispiel auf der Hohen Warte in Wien, einer der längsten Messreihen, die wir in Österreich zur Verfügung haben (Messbeginn 1872): An 5 Tagen wurde der bisherige Juni-Rekord von 36,1 Grad aus dem Jahre 1950 (!) überboten, davon an zwei pulverisiert, an einem regelrecht zerschmettert – mit 39,7 Grad am 28. Juni 2026 wurde der alte Rekord damit gleich mal um satte 3,6 Grad in den Schatten gestellt. Ja leck mich doch am Arsch! Niemals zuvor – und ich wiederhole: wir besitzen auf der Hohen Warte eine durchgehende Temperatur-Messreihe von 154 Jahren – wurde ein Monatsrekord jemals um einen derart großen Betrag übertroffen.
Unwahrscheinliches wird real
Doch über allem steht das Knacken der 40-Grad-Marke – wäre das im Hochsommer passiert, dann ja mei, freilich auch gschissen, aber – und so ehrlich müssen wir sein – es wäre in gewissem Maße erwartbar gewesen. Wir leben nun mal in Zeiten des Klimawandels, unsere Sommer werden nun mal heißer; strenggenommen war es nur eine Frage der Zeit, bis halt ein weiterer Sommer – nach dem August 2013 – mal wieder den 40er-Joker zückt. DOCH WIR SIND IM JUNI! IM FRÜHSOMMER! Sehen wir uns dazu mal an, wie wahrscheinlich im Vorfeld 40 Grad im Juni gewesen wären – am Beispiel der Hohen Warte. Bevor Einwände kommen: Ja, die Hohe Warte selbst hat den 40er nicht geknackt, aber die drei fehlenden Zehntel … geschenkt, machen das Kraut auch nicht mehr fett. Für Extremwertstatistiken benötigen wir möglichst lange Zeitreihen, hierfür bietet sich nun mal die Hohe Warte hervorragend an. Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit für 40 Grad im Juni läge auf der Hohen Warte in Wien bei 1:4000 – oder anders ausgedrückt bei 0,024 %, ist also verschwindend gering. Jetzt könnte man noch hergehen und den ersten 40er am 28. Juni 2026 als blöden Zufall abtun – die Eintrittswahrscheinlichkeit war ja schließlich nicht Null. Aber wie erklären, dass am 29. Juni schon der nächste 40er gefallen ist, also ein extrem unwahrscheinliches Ereignis nicht nur einmal, sondern gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen eingetreten ist? Und vor allem: Wie erklären, dass selbiges sowohl im Juli als auch im August eine Wiederholung finden sollte?
Reales wird wahrscheinlicher
Genau hier kommt der Klimawandel ins Spiel. Er bedeutet nicht, dass ein jedes Extremereignis automatisch „durch den Klimawandel verursacht“ wurde. Aber er verschiebt die Temperaturverteilung und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit für eben zum Beispiel sehr hohe Temperaturen. Kurzum: Etwas, das bisher praktisch unmöglich war, wird wahrscheinlicher. Bemühen wir hierzu ein letztes Mal das Beispiel Wien: Bisher lag die Wahrscheinlichkeit für 40 Grad im Juni auf der Hohen Warte bei 1:4000, seit heuer liegt sie bei 1:167 – die Wahrscheinlichkeit bleibt also auch künftig sehr gering, hat sich aber mehr als verzwanzigfacht. Anders formuliert: Der Juni 2026 hat aus einer statistischen Dystopie eine reale Möglichkeit gemacht. (Noch mal zur Wiederholung: Das Rechenbeispiel Hohe Warte soll nur als Beispiel dienen, um zu veranschaulichen, wie unwahrscheinlich 40 Grad im Juni (gewesen) sind.)
Intermezzo
Wir sehen: Allein diese Hitzewelle markiert in vielerlei Hinsicht eine Zäsur in der österreichischen Klimageschichte, ihre Tragweite erhält sie aber erst deshalb, da sie eine Brut des Frühsommers war. Bis weit in den folgenden Juli hielt sie in Folge unser Land im Griff, ihre julianischen Nachwehen allerdings gaben sich im Vergleich harmlos – die Hitze dauerte zwar an, doch weitere Extremwerte blieben aus. Nach einem kurzen Verschnaufer zur Monatsmitte setzte im letzten Julidrittel schließlich Hitzewelle Nr. 3 ein – was zunächst wie eine weitere, für diesen Sommer fast vertraute Welle wirkte, steigerte sich binnen weniger Tage auf ein Ausmaß, das selbst den Juni übertraf. Doch bevor wir dazu kommen, verschaffen wir uns vorab noch ein wenig geistige Abkühlung.
Das kühle Verschwinden
Ok, von Abkühlung kann keine Rede sein, aber ich brauchte eine Überleitung. Ist euch aufgefallen, dass, wenn es in diesem Sommer mal nicht gerade heiß war, es trotzdem nie g’scheit abgekühlt hat? Es wurde halt nur weniger heiß, kurzzeitig vielleicht mäßig warm, aber kühl?!? Und das ist – neben Hitze und Trockenheit – wohl der dritte große Brocken, der sich in unseren Sommern so dramatisch geändert hat: Das stille Verschwinden der Sommerfrische. Selbst in den Landeshauptstädten sollte es zwischendurch immer wieder mal so stark abkühlen, dass die Höchstwerte unter die 20-Grad-Marke gedrückt werden. Doch mittlerweile ist es längst Usus geworden, dass Temperaturen auch nach Kaltfronten deutlich darüber verharren; in Eisenstadt (B) und Graz (ST) gab’s heuer gerade mal 1 kühlen Tag (im Mittel sind es 7). Im Bergland ist der Rückzug der Sommerfrische noch viel dramatischer: Selbst auf über 2000 Metern Seehöhe – beispielsweise auf der Idalpe bei Ischgl oder am Galzig in Tirol – verzeichnen wir heuer einen Negativrekord kühler Tage (wobei „kühl“ auf dieser Seehöhe freilich nicht ganz greift; es ist eher ein Rekord warmer Tage. Aber sei’s drum.)
Die Anzahl der kühlen Tage (Höchstwert ≤ 20 Grad) an ausgewählten Orten im Sommer 2026 im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 sowie den Rekordwerten.
| Ort | Bundesland | Höhe | Sommer 2026 | 1991-2020 |
Negativ-Rekord |
| Idalpe | T | 2327 m | 68 | 87,9 | Rekord, alt 76 2015, 2013 |
| Galzig | T | 2079 m | 64 | 85,7 | Rekord, alt 74 / 2023, 2015 |
| Feuerkogel | OÖ | 1618 m | 49 | 75,7 | Rekord, alt 55 /2015 |
| Obertauern | S | 1772 m | 47 | 70,3 | Rekord, alt 51 /2015 |
| Obergurgl | T | 1941 m | 43 | 68,1 | Rekord, alt 48 /2003 |
| Katschberg | K | 1635 m | 40 | 62,3 | Rekord, alt 45 /2003 |
| Kolm-Saigurn | S | 1626 m | 39 | 62,6 | Rekord, alt 44 / 2024 |
| Hintertux / Zillertal | T | 1505 m | 33 | 49,3 | Rekord, alt 39 / 2017 |
| Mittelberg | V | 1204 m | 23 | 43,5 | Rekord, alt 29 / 2022 |
| Tannheim | T | 1100 m | 20 | 38,5 | Rekord, alt 23 / 2022 |
Gletscher-Blick
Und auch im Hochgebirge sind des Teufels Spuren zu finden: Am Hohen Sonnblick in den Salzburger Tauern – hier oben thront eines der wichtigsten Gebirgsobservatorien der Welt auf 310
9 Meter Seehöhe – wurden heuer an 10 Tagen in Folge (vom 28. Juli bis zum 06. August) zweistellige Temperaturen gemessen, nach einem Tag Pause weitere 5 Tage. Das schmerzt. Nicht nur in der Bilanz (längste Serie an zweistelligen Temperaturen seit Messbeginn 1886), sondern gerade und enorm unseren Gletschern. Bereits am 11. Juli 2026 wurde am altehrwürdigen Observatorium kein Schnee mehr gemessen – die zweitfrüheste Ausaperung seit Messbeginn 1938 (die Messreihe der Schneehöhe reicht nicht ganz so weit zurück wie jene der Temperatur). Zum Vergleich: Die mittlere Schneehöhe an einem 11. Juli liegt hier oben bei 270 cm! Den ganzen Hochsommer hindurch sollte das Hochgebirge nun also schneefrei sein; ein Aderlass unvorstellbaren Ausmaßes für Österreichs Gletscher. Erste Schätzungen gehen von einem Gletscherflächen-Verlust in Österreich von 5-10 % aus, das entspricht einer Fläche von 50 bis 100 Quadratkilometern (etwa fünfmal die Fläche des Wörthersees).
Akt II: Das Inferno
Doch zurück zu unserer Höllen-Wanderung: Wir schreiben mittlerweile den 25. Juli. Die dritte große Hitzewelle steht in den Startlöchern, und ähnlich wie ihr Juni-Kompagnion sollte auch diese recht zügig gleich zu Beginn ihren Höhepunkt finden. Nach nur wenigen Tagen Dauer folgte bereits die nächste Flut an Ausnahmewerten: 342 Monatsrekorde, 138 Stationsrekorde (lässt man den Juni 2026 unberücksichtigt gar 231), 117 Monatsrekorde für die wärmste Nacht, weitere 49 (bzw. 69 ohne Juni) für die absolut wärmste in nur einer Woche. Dieser Höhepunkt fiel dabei so unglücklich auf den Monatswechsel, dass beide Hochsommermonate – Juli und August – zum Handkuss kamen und Geschichte schrieben: neben der schier unglaublichen Zahl an Rekorden vor allem durch das nochmalige, und leider fortdauernde, Erreichen der 40-Grad-Marke. Es wurde zum Inbegriff eines meteorologischen Infernos.
Die Anzahl jener Stationen, die im Zuge der dritten Hitzewelle (im Juli & August 2026) einen Rekord aufgestellt haben.
In Klammer die Stationsanzahl ohne Juni 2026.
| Datum | Monats-Rekord | Absolutrekord | Wärmste Nacht Jul / Aug | Wärmste Nacht absolut |
| 30. Juli 2026 | 38 | 4 (23) | 4 | 1 (2) |
| 31. Juli 2026 | 71 | 32 (45) | 4 | 0 (1) |
| 01. August 2026 | 4 | 1 (4) | 5 | 1 (2) |
| 02. August 2026 | 0 | 0 | 10 | 5 (8) |
| 03. August 2026 | 54 | 10 (33) | 8 | 1 (2) |
| 04. August 2026 | 108 | 55 (73) | 22 | 9 (13) |
| 05. August 2026 | 63 | 34 (51) | 31 | 16 (20) |
| 06. August 2026 | 4 | 2 | 20 | 8 (11) |
| 07. August 2026 | 0 | 0 | 13 | 8 (10) |
Chronologie einer Zäsur
- Freitag, 31. Juli 2026: In Waidhofen an der Ybbs (NÖ) werden 40,3 Grad gemessen – österreichweiter Juli-Rekord.
- Montag, 03. August 2026: Wieder wird der 40er geknackt, zum bereits vierten Mal in diesem Sommer: In Wien-Stammersdorf (W) und Langenlebarn (NÖ) werden 40,1 Grad bzw. 40,0 Grad gemessen.
- Dienstag, 04. August 2026: Der mit Abstand heißeste Tag, den unser Land jemals stemmen musste. Bereits um
12 Uhr fällt die Marke von 38 Grad (in Pottschach, NÖ) – die höchste je gemessene Mittagstemperatur in Österreich (alt: 36,7 Grad in Wr. Neustadt (NÖ) im Sommer 2013). An neun (!) Stationen wird nachmittags die 40-Grad-Marke geknackt, drei davon überbieten den bisherigen Österreich-Rekord aus dem Jahre 2013: Wien-Stammersdorf (W) mit 41,0 Grad, St. Pölten (NÖ) und Langenlebarn (NÖ) mit je 40,7 Grad. An 243 aller Stationen im Land (89 %) werden mehr als 30 Grad gemessen, an 66 davon (24 %) mehr als 38 Grad – beides ebenfalls Rekord. - Mittwoch, 05. August 2026: Österreich durchlebt die wärmste Nacht seit Aufzeichnungsbeginn mit absolut irren 28,5 Grad Tiefstwert in Hornstein (B), gefolgt von 27,4 Grad in der Wiener Innenstadt (W). Der „alte“ Rekord wurde zuvor erst im Juni aufgestellt, mit 27,3 Grad in Wien-Ottakring (Jubiläumswarte). Wieder werden um 12 Uhr Mittag 38 Grad gemessen (Eisenstadt). An sechs Stationen wird nachmittags der 40er geknackt, eine stellt den Österreich-Rekord vom Vortag ein (neuerlich Wien-Stammersdorf mit 41,0 Grad), eine weitere überbietet diesen sogar (Bad Deutsch-Altenburg mit 41,2 Grad).
- bis 17. August 2026: Es folgen 12 weitere sehr heißen Tagen mit Höchstwerten ≥ 35 Grad.
Selbst jetzt, während ich diesen Rückblick verfasse, mutet noch vieles surreal an. Allein der Umstand, dass wir 3 Tage lang in Folge die 40-Grad-Marke knacken … bitte habt im Hinterkopf: Eine Hitzewelle ist definiert als Serie von mindestens 3 Tagen mit mehr als 30 Grad. DREISSIG! Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem alte Definitionen nahezu lächerlich erscheinen. Doch wie konnte es zu Hitzewellen dieser Dimension kommen?
Der Kreis schließt sich
Sehen wir uns dazu an, wie die Rekorde verteilt sind. Ich habe mir die Mühe gemacht, und alle Stationen, die im Laufe der zwei Megahitzewellen (vielleicht ist das eine passende neue Definition?) einen Rekord aufgestellt haben, in einer Karte eingezeichnet. Und da fällt sofort auf: Heiß war es im ganzen Land, keine Frage. Aber das Gros der Ausnahmewerte konzentriert sich auf Ober- und Niederösterreich, Wien und das Nordburgenland. Eine solche Verteilung ist zu einem gewissen Grad erwartbar (das Flachland hat im Zuge sommerlicher Hitzewellen häufig die höheren Werte), doch für die Flut an Hitzerekorden und insbesondere das wiederholte Übertreffen der 40 Grad benötigt es noch eine weitere Erklärung: die historische Dürre.
Verdunstungs-Trumpf
Wie bereits erwähnt hat Trockenheit einen immanenten Einfluss auf die Temperatur. Die Juni-Hitzewelle ist dabei zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt überhaupt gekommen: dem Sonnenhöchststand. Ein blockierendes Hoch hat sich über Europa gelegt, im Zuge dessen gab es zu den längsten Tagen im Jahr auch den größtmöglichen Sonnen-Input. Hinzu kommt die Phsyik eines Hochdruckgebiets selbst (in einem solchen sinkt die Luft ab, komprimiert dabei und erwärmt sich dadurch). Die zweite Hitzewelle war advektiven Ursprungs, subtropisch heiße Luft wurde von Nordafrika über Westeuropa in den Alpenraum transportiert und in Folge der fehlenden Dynamik wegen lange nicht ausgeräumt. Des Teufels Atout aber war in beiden Fällen nun der Faktor der fehlenden Verdunstung: Bereits im Juni war die Trockenheit markant (der zurückliegende Frühling war der niederschlagsärmste der Messgeschichte), im Hochsommer nahezu dramatisch – das hatte sogar zur Folge, dass der Alpenraum kurzzeitig gar zur heißeste Region Europas avancierte.
Die Niederschlagsbilanz
Mit einem Minus von 32 % bilanziert der Sommer in der österreichweiten Bilanz als einer der trockensten der Messgeschichte unseres Landes (seit 1858) – ähnlich trocken war es zuletzt 2019 (-30 %), noch trockener 1935 (-33 %). Die (relativ) niederschlagsärmsten Regionen dabei: Ober- und Niederösterreich, Wien und das Burgenland – klingelts? In manchen Regionen des Flachlandes geht der Sommer 2026 übrigens als der trockenste überhaupt zu Ende, etwa in Ried im Innkreis (OÖ), Waidhofen an der Ybbs (NÖ), Wiener Neustadt (NÖ), Poysdorf (NÖ), Schöngrabern (NÖ) oder an der Station Leiser Berge (NÖ). Die Anzahl der Tage mit Niederschlag (min. 1 mm in 24 h) ist in allen Landeshauptstädten defizitär, lediglich Innsbruck (T) und Klagenfurt (K) kommen ihrem Soll zumindest nahe.
Die Anzahl der Niederschlastage (mit unterschiedlichen Regenmengen) der Landeshauptstädte im Sommer 2026 im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020.
| Tage mit > 1 mm |
Tage mit > 10 mm |
Tage mit > 30 mm |
||||
| Ort | 2026 | Mittel |
2026 | Mittel | 2026 | Mittel |
| Wien – Hohe Warte | 16 | 25,3 | 3 | 6,8 | 1 | 1,0 |
| St. Pölten | 24 | 29,7 | 4 | 8,8 | 0 | 1,8 |
| Eisenstadt | 18 | 25,8 | 3 | 7,3 | 0 | 1,2 |
| Linz | 22 | 33,2 | 6 | 9,4 | 1 | 1,1 |
| Salzburg – Flughafen | 31 | 43,5 | 7 | 16,1 | 1 | 2,7 |
| Innsbruck – Universität | 39 | 40,0 | 12 | 13,2 | 1 | 1,8 |
| Bregenz | 25 | 40,6 | 9 | 18,5 | 1 | 4,9 |
| Graz – Universität | 20 | 31,9 | 8 | 12,5 | 3 | 2,7 |
| Klagenfurt | 28 | 31,5 | 10 | 12,3 | 1 | 2,5 |
| Lienz | 30 | 35,0 | 8 | 12,5 | 0 | 1,4 |
Nur ein Beispiel von vielen
Mit dem Ausbleiben an Niederschlägen wurden aber Weitem nicht nur die Temperatur befeuert, die Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft sind nahezu fatal, in vielerlei Hinsicht beispiellos.
Über 90 % aller Grundwasserpegelstellen in Österreich befinden sich zum Sommerende auf einem sehr niedrigen oder gar rekordniedrigen Niveau, selbst tiefe Seen (wie Boden- oder Attersee) verzeichnen einen historischen Tiefststand, viele Bäche und Flüsse sind (so sie denn überhaupt noch existieren) lediglich Rinnsale ihrer selbst. Um nur ein Beispiel herauszupicken: Die Donau bei Hainburg (an der Grenze zur Slowakei) wies im Juli nur noch einen Pegel an der tiefsten Stelle von 40 cm, im August einen von 46 cm auf – der mit Abstand niedrigste sommerliche Wasserstand seit Beginn der Datenverfügbarkeit 1976. Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen – von den Waldbränden, den Milliardenschäden in der Landwirtschaft, der beispiellosen Hitzemortalität -, doch ziehen wir hier mal einen Schlussstrich und kommen zur finalen Bilanz.
Die Bilanz des Extremen
Angesichts der schieren Fülle an Hitzerekorden sollte es nun kaum noch jemanden überraschen, dass der Sommer gar nicht anders kann, als sich in der Gesamtbilanz mit ABSTAND auf den ersten Platz der heißesten der 259-jährigen Messreihe Österreichs zu positionieren. Er stellt damit alles in den Schatten, was unser Land jemals erlebt hat; doch steckt auch hier wieder der Teufel im Detail. Denn die eigentliche Dimension dieses Sommers offenbart sich nicht allein in seinem ersten Platz, sondern in der Art und Weise, wie er diesen errungen hat.
Des Teufels rote Schnur
Sehen wir uns hierzu die Gesamtanzahl der heißen Tage des heurigen Sommers an: An 65 % aller Stationen im österreichischen Messnetz (188 von 276) wurde ein Rekord aufgestellt, darunter in ausnahmslos allen Landeshauptstädten. Die landesweit höchste Anzahl verbuchen Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) und St. Andrä im Lavanttal (K) mit jeweils 55 Tagen, gefolgt von Ferlach (K) und Bad Radkersburg (ST) mit 54. Doch besonderes Augenmerk soll nun bitte auf Bregenz (V) gerichtet werden: Mit 43 heißen Tagen – und damit der fast fünffachen Menge (!) eines normalen Sommers – hat die Vorarlberger Landeshauptstadt ihren alten Rekord mit 29 aus dem Jahre 2015 um satte 2 Wochen überboten. Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: Der alte Rekord wurde um das Doppelte des klimatologischen Gesamtmittels übertroffen! Diese Deklassierung alles bisher Erwartbaren zieht sich durch diesen Sommer wie ein roter Faden. Doch auch hier gilt: Das Ende der Fahnenstange ist damit noch immer nicht erreicht.
Die Anzahl der heißen Tage (Höchstwert ≥ 30 Grad) der Landeshauptstädte im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 und den Rekordwerten.
| Ort | Sommer 2026 | Mittel 91-20 | Abweichung | Rekord |
| Wien – Innere Stadt | 45 | 25,4 | +77 % | eingestellt, alt 45 / 2024 |
| Wien – Hohe Warte | 46 | 20,1 | +128 % | Rekord, alt 40 / 2015 |
| St. Pölten | 44 | 17,7 | +148 % | Rekord, alt 40 / 2015 |
| Eisenstadt | 44 | 20,1 | +119 % | Rekord, alt 41 / 2024 |
| Linz | 43 | 14,9 | +188 % | Rekord, alt 39 / 2015 |
| Salzburg – Flughafen | 37 | 12,0 | +208 % | Rekord, alt 31 / 1994 |
| Innsbruck – Universität | 43 | 20,7 | +107 % | eigestellt, alt 43 / 2015 |
| Bregenz | 43 | 7,6 | +466 % | Rekord, alt 29 / 2015 |
| Graz – Universität | 44 | 16,7 | +163 % | Rekord, alt 38 / 2003 |
| Klagenfurt – Flughafen | 45 | 18,1 | +148 % | Rekord, alt 37 / 2003 |
| Lienz | 42 | 13,4 | +213 % | Rekord, alt 35 / 2003 |
WTF ist Kysely?
Denn kaum eine Station steht so sinnbildlich für den Eintritt in eine neue Klima-Ära, wie Bregenz. Hitzewellen an sich sind ja streng definiert als Serie von mindestens 3 aufeinanderfolgenden Tagen mit mindestens 30 Grad. Doch was, wenn (Hausnummer) nach dem 6. Tag einer mit „nur“ 29,9 folgt, und es danach mit großer Hitze weitergeht? Aus diesem Grund gibt es in der Meteorologie noch eine zweite (weniger bekannte) Definition der so genannten Hitzeperiode (auch Kysely-Hitzewelle genannt): Sie besagt, dass eine Hitzewelle so lange andauert, wie die Durchschnittstemperatur der gesamten Periode bei über 30 Grad bleibt und an keinem Tag unter 25 Grad fällt. Die bisher längste Hitzeperiode dieser Art in den Landeshauptstädten betrug 32 Tage (aufgestellt in Wien im Sommer 2018), in Bregenz 16 Tagen (ebenfalls im Sommer 2018). Und jetzt bitte festhalten … im heurige Sommer dauerte sie in Bregenz sage und schreibe 65 Tage! FÜNFUNDSECHZIG! Damit hat Bregenz (bitte im Hinterkopf behalten: die Stadt liegt am kühlenden Bodensee!) nicht nur den Landeshauptstadt-Rekord um das Doppelte (!) überboten, sondern ist auch haarscharf am Österreich-Rekord von 66 Tagen – aufgestellt in Bad Radkersburg (ST) im Sommer 2024 – vorbeigeschrammt.
Die Dauer von Hitzeperioden (Definition nach Kysely) der Landeshauptstädte im Vergleich zu Rekordwerten.
| Ort | Sommer 2026 | Rekord |
| Wien – Innere Stadt | 35 | Rekord, 31 / 2024 |
| Wien – Hohe Warte | 35 | Rekord, 32 / 2018 |
| St. Pölten | 21 | 29 / 2003 |
| Eisenstadt | 61 | Rekord, alt: 31 / 2024 |
| Linz | 21 | 28 / 1971, 2018 |
| Salzburg – Flughafen | 18 | 21 / 1994 |
| Innsbruck – Universität | 31 | Rekord, alt: 28 /2013 |
| Bregenz | 65 | Rekord, alt: 16 / 2018 |
| Graz – Universität | 31 | Rekord, alt: 28 / 2003 |
| Klagenfurt – Flughafen | 33 | Rekord, alt: 29 / 2018 |
| Lienz | 31 | Rekord, alt: 27 / 2003 |
Sommernachtsalpträume
Abschließend blicken wir noch auf die Anzahl der Tropennächte – erst durch diese bekommt ja eine jede Hitzewelle erst den richtigen Pep. Unter den Landeshauptstädten verbuchen St. Pölten (NÖ, Versechsfachung des Erwartungswertes!), Bregenz und Salzburg (S) einen Rekord, Innsbruck (T) hat selbigen eingestellt. Doch das Phänomen der Tropennächte ist längst nicht mehr auf die Ballungszentren beschränkt; oberhalb von 1000 Meter Seehöhe wurde gleich in 17 Sommernächten an zumindest einer Station ein Tiefstwert von ≥ 20 Grad registriert (Rekord, alt: 13 Nächte im Sommer 2013). Auf der Rax (NÖ, 1547 m) gab es bisher noch in keinem Sommer eine Tropennacht, heuer gleich 2 in Folge (am 04. & 05. August), in Sulzberg (V, 1014 m) waren es derer überhaupt gleich 8 in Serie (21. – 28. Juni, alter Rekord: 4 Tage im Sommer 2015). Insgesamt verbuchen 83 Stationen österreichweit (30 % aller) eine Rekordzahl an Tropennächten, wie schon erwähnt, wurde im Zuge der zwei Megahitzewellen auch ein Österreich-Rekord für die wärmste Nacht aufgestellt (28,5 Grad in Hornstein (B) am 05. August).
Die Anzahl der Tropennächte (Tiefstwert ≤ 20 Grad) der Landeshauptstädte im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 und den Rekordwerten.
| Ort | Sommer 2026 | Mittel 91-20 | Abweichung | Rekord |
| Wien – Innere Stadt | 44 | 20,4 | +115 % | 46 / 2024 |
| Wien – Hohe Warte | 23 | 6,3 | +265 % | 25 / 2024 |
| St. Pölten | 13 | 1,8 | +622 % | Rekord, alt: 11 / 2024 |
| Eisenstadt | 22 | 5,9 | +272 % | 26 / 2024 |
| Linz | 13 | 3,2 | +306 % | 15 / 2024 |
| Salzburg – Flughafen | 5 | 0,9 | +455 % | Rekord, alt: 3 / 2023. 2013, 1994, 1992 |
| Innsbruck – Universität | 3 | 0,6 | +400 % | eigenstellt, alt: 3 / 2019, 2015 |
| Bregenz | 16 | 2,8 | +471 % | Rekord, alt: 12 / 2015 |
| Graz – Universität | 9 | 3,3 | +172 % | 11 / 2024 |
| Klagenfurt – Flughafen | 1 | 0,5 | +100 % | 3 / 2019 |
| Lienz | 0 | 0,0 | ±0 % | 1 / 2005 |
Am Scheideweg
Und damit sind wir am Ende unseres Pfades durch die Hölle angelangt. War der Sommer 2026 ein historischer Wendepunkt? Freilich wird jetzt nicht jeder folgende in die Fußstapfen des heurigen treten, doch die letzten 3 Monate haben vieles verändert. Er hat gezeigt, wie rasch wir an der Grenze dessen sind, was überhaupt vorstellbar scheint. Wie schnell nahezu Unmögliches real wird. Und vor allem: Wie rasant sich unser Klima wandelt. Es ist noch gar nicht lange her, dass Jahre mit 40 bis 60 heißen Tagen als Szenario für das Ende dieses Jahrhunderts galten – als Zukunftsbild einer Welt ohne wirksamen Klimaschutz. Das folgende Diagramm entstammt einer offiziellen Presseaussendung der GeoSphere Austria (vormals ZAMG) aus dem Jahr 2021:
Was vor fünf Jahren noch für das Ende des Jahrhunderts simuliert wurde, ist bereits heuer Realität geworden. Vielleicht besteht die eigentliche Zäsur des Sommers 2026 also nicht in den zahllosen Rekorden oder der historischen Dürre. Sondern in der Erkenntnis, wie rasch Entwicklungen eintreten können, die noch vor wenigen Jahren als ferne Zukunft galten. Dass sich die Grenzen des Vorstellbaren schneller verschieben, als wir es für möglich gehalten haben. Und dass der heurige Sommer womöglich unser letztes großes Alarmsignal sein will. Wir haben die Pforten der Hölle durchschritten. Es liegt an uns, umzukehren.
P.S.: Ich investiere sehr viel Geduld und Freizeit in diese Rückblicke; es ist äußerst unfair, wenn Inhalte ohne Rücksprache einfach übernommen oder gar geklaut werden. Zumindest eine Quellen-Erwähnung tut niemandem weh, wäre aber eine kleine Anerkennung meiner Arbeit :)















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