Winter 2025/26: Freude vs. Klimatologie

Winter-Highlights
Was für ein erfreulicher Winter! Erst überraschte der Dezember mit weißen Weihnachten, dann folgte im Jänner ungewohnter Dauerfrost, bevor der Februar schlussendlich schneemäßig auftrumpfte. Ein jeder Monat setzte so winterliche Akzente, die sich in der jahreszeitlichen Gesamtbetrachtung jedoch weitgehend egalisieren: Klimatologisch bilanziert der Winter 2025/26 nämlich mild und schneearm. Und dennoch überwiegt die Freude über einige winterliche Highlights – ein Rückblick.

Leise rieselt (immer öfter) kein Schnee
Selten im Jahr sind wir Meteorologen dermaßen gefragt, wie in der Adventzeit; Muttertag vielleicht noch, oder während sommerlicher Unwetterlagen. Aber die Vorweihnachtszeit ist im Meteorologenjahr dann doch ein anderes Level, das Fest der Feste kennt schließlich nur eine Farbe: weiß – selbst Winterhasser machen dahingehend eine Ausnahme! Blöd nur, dass es damit vielerorts schon Ewigkeiten nicht mehr klappen wollte, klimawandelbedingt ist die Vorweihnachtszeit schlicht zu warm geworden: Lag die durchschnittliche Temperatur in den Landeshauptstädten in einem Advent vor rund 50 Jahren zwischen -2,6 Grad (Klagenfurt) und +1,3 Grad (Bregenz, Wien) – also im schneesicheren Bereich – , ist die Mitteltemperatur mittlerweile auf -0,7 Grad (Klagenfurt) bis +2,9 Grad (Bregenz) angestiegen – und damit auf ein Niveau, auf dem Schneefall zwar möglich, aber längst nicht mehr garantiert ist. Das berühmt-berüchtigte Weihnachtstauwetter macht dem Fest in Weiß dann häufig auch noch einen Strich durch die Rechnung. Kurzum: Der Wunschtraum vieler ist längst zum Auslaufmodell verkommen.

Die mittlere Temperatur in den Landeshauptstädten im Advent (01. – 23. Dezember) im Vergleich:

Ort Bundesland 1961-1990 1991-2020 Anstieg
Wien – Hohe Warte W 1,3 Grad 2,8 Grad +1,5 Grad
St. Pölten  0,1 Grad 2,1 Grad +2,0 Grad
Eisenstadt B 1,1 Grad 2,4 Grad +1,3 Grad
Linz 0,4 Grad 2,4 Grad +2,0 Grad
Salzburg – Flughafen S -0,1 Grad 1,9 Grad +2,1 Grad
Innsbruck – Universität T -0,4 Grad 1,8 Grad +2,2 Grad
Bregenz V 1,3 Grad 2,9 Grad +1,6 Grad
Klagenfurt K -2,6 Grad -0,7 Grad +1,9 Grad
Graz – Universität ST 0,1 Grad 1,9 Grad +1,8 Grad

Die letzten weißen Weihnachten in den Landeshauptstädten, Schneedecke mit min. 1 cm am 24. oder 25. Dezember. Eisenstadt war 2025 zwar angezuckert, erreichte aber nicht die Schneehöhe von min. 1 cm.

Weihnachtswunder
Die Weihnachtsfarbe „weiß“ war zwar auch zu Urgroßmutters Zeiten – also noch ohne menschengemachten Klimawandel – keine g’mahte Wies’n, doch nie zuvor in der Messgeschichte Österreichs musste man derart lange warten: 17 Jahre lang in Folge hat es beispielsweise in St. Pölten schon nicht mehr geklappt (letzte weiße Weihnachten 2007), gefolgt von Graz und Linz mit 14 Jahren (2010), Salzburg mit 13 (2011), sowie Eisenstadt und Wien mit 12 Jahren Wartezeit (2012). Medial wurden auch dem heurigen Fest lange Zeit geringe Chancen auf Winterweiß zugesprochen (der ORF verkündete sogar noch am vierten Adventwochenende selbstsicher mit „Wieder keine weißen Weihnachten!“) – umso größer war die Freude, als es dann doch klappen sollte: Pünktlich am Morgen des Heiligen Abend begann es in der gesamten Osthälfte zu schneien und bescherte so 5 Landeshauptstädten – Wien, St. Pölten, Eisenstadt, Graz und Klagenfurt – nach über einem Jahrzehnt des Wartens ein weißes Weihnachtsgeschenk; für viele junge Menschen erstmals in ihrem Leben.

Nachteiliges Schönwetter
Es war, wenn man so will, ein kleines Weihnachtswunder: Die ganze Adventzeit hindurch hat sich zum Beispiel in Wien keine Schneeflocke blicken lassen, dass es dann just am Heiligen Abend selbst zu schneien beginnt, hat es in der langen Wiener Messgeschichte (seit 1886) so noch nicht gegeben. Weihnachten 2025 wird wohl vielen lange in Erinnerung bleiben! Doch sieht man von dieser weißen Bescherung ab, war der Dezember 2025 wenig winterlich; der erste Wintermonat war geprägt von anhaltendem Hochdruckwetter. Klingt im ersten Moment fein – „Hochs“ werden ja gerne mit „Schönwetter“ assoziiert -, war aber gleich dreifach nachteilig: 1. Gab es so kaum Niederschlag (von Weihnachten abgesehen) – und wo kein Niederschlag, da kein Schnee. 2. War es für die technische Beschneiung auch auf unseren Bergen viel zu warm. Und 3. ist Hochdruckwetter in der kalten Jahreszeit gefundenes Fressen für einen unliebsamen Zeitgenossen: den Hochnebel.

Hochnebelkunde
Wie kommts? Hochdruckwetter führt in der kalten Jahreszeit häufig zu Inversionswetterlagen, diese wiederum stellen unsere Temperaturen sprichwörtlich auf den Kopf: In der Regel nimmt die Temperatur aufgrund fallenden Luftdrucks mit der Höhe ab (kennt jeder, wenn er auf einen Berg steigt). Während einer Inversionswetterlage nimmt die Temperatur allerdings ab einer gewissen Höhe wieder zu (lat. inversio, Umkehr). Da kalte Luft nun (physikalisch) schwerer ist als warme, entsteht eine Sperrschicht, die fortan jedweden vertikalen Luftaustausch behindert. An dieser Schicht sammeln sich Feuchtigkeit und Abgase – es entsteht eine graue Suppe, der Hochnebel (lat. stratus). Auch wenn eine solche Temperaturumkehr nicht dem Gewohnten entspricht, ist sie paradoxerweise stabiler als das Normal – und löst sich von selbst (ohne Änderung der Großwetterlage) auch nicht mehr auf. Man muss schon ein kleiner Grau-Fetischist sein, um hier noch Schönwetter zu erkennen.

Wochenlanger Dauernebel in Wien (© wetterblog.at)

Grauer Rekordschlaz
Das erklärt, warum die Niederungen im Herbst und Winter häufig in einer grauen Suppe dahinvegetieren, unterstreicht aber auch die Außergewöhnlichkeit des heurigen Dezembers: Da sich – aufgrund der anhaltenden Hochdrucklage – die Inversion nicht auflösen konnte, versumperten viele Niederungen in nicht enden wollendem Nebelgrau. 23 Tage in Serie (3 Wochen und 2 Tage!) konnte sich beispielsweise am Linzer Flughafen (OÖ) die Hochnebeldecke halten – die längste Periode ohne Sonnenschein seit Messbeginn 1961 (alter Rekord: 16 Tage im Jänner 1992). Am Klagenfurter Flughafen (K) waren es 20 Tage – ebenfalls Rekord (Messbeginn 1952, alt: 18 Tage im Jänner 1974). In Eisenstadt (B) 14 Tage – die drittlängste Periode ohne Sonne (nach Dezember 1995 mit 26 Tagen und März 1985 mit 17 Tagen), auf der Hohen Warte in Wien (W) ebenfalls 14 – die trübste Periode seit 1974 (damals auch 14 Tage, der Rekord liegt in der Bundeshauptstadt bei 22 Tagen im Jänner 1933). Den absoluten Rekord unter den Landeshauptstädten hält übrigens der Grazer Flughafen (ST) mit 28 Tagen Dauergrau, aufgestellt im Dezember 1995 (heuer lag die längste Serie in Graz bei lediglich 7 Tagen).

Historischer Neuschneemangel
Unsere Berge sind bei einer solchen Wetterlage sonnenmäßig klar im Vorteil: Am Hohen Sonnblick in den Salzburger Tauern auf 3109 Meter Seehöhe etwa brachte der Dezember gleich 17 strahlend sonnige Tage – im langjährigen Mittel wären es 9. Doch wie schon erwähnt: Wenn ständig die Sonne scheint, woher soll der Niederschlag kommen? Dezember-Schnee war sohin Mangelware – um gleich beim Sonnblick zu bleiben (bitte im Hinterkopf behalten, hier oben thront eines der wichtigsten Gebirgsobservatorien der Welt): In Summe gab es den gesamten Dezember hindurch nur 20 cm Neuschnee – im langjährigen Mittel sind es 245 cm! Das entspricht einem Minus von sagenhaften 92 %, kein Wintermonat (nicht nur Dezember, Wintermonat!) brachte hier oben jemals derart wenig Neuschnee (Aufzeichnungsbeginn 1972). Ähnlich hoch der Schneemangel auf unseren anderen Bergstationen: Auf der Rudolfshütte (S, 2317 m) satte -93 %, am Pitztaler Gletscher (T, 2864 m) -77 %, am Galzig (T, 2079 m) -89 %, auf der Rax (NÖ, 1547 m) -72 %. Und zusätzlich zum Mangel an fallendem Schnee hatte es auch der bereits liegende alles andere als leicht: Angeheizt durch den vielen Sonnenschein bilanziert der Dezember 2025 auf unseren Bergen als der zweit-wärmste der 175-jährigen Gebirgs-Messreihe. In den Niederungen hingegen war der Dezember temperaturtechnisch – Hochnebel sei’s gedankt – deutlich weniger extrem.

Die Wetterstation in Liebenau-Gugu am Morgen des 12. Jänner 2026 (© wetterblog.at)

Jännerliche Fröstelei
Im Jänner änderte sich die Großwetterlage schließlich grundlegend: Polare Kaltluftmassen lösten die wochenlange (und vor allem auf den Bergen extrem warme) Hochdrucklage ab und schickten ganz Österreich, in der zweiten Jännerhälfte dann noch mal Teile, in den Dauerfrost – die erste nennenswerte Kältewelle in Österreich seit dem Winter 2018! Klirrend kalte Nächte standen an der Tagesordnung, in jener auf den 12. Jänner wurde im oberösterreichischen Mühlviertel der absolute Tiefstwert des ganzen Winters von -29,0 Grad in Liebenau-Gugu verzeichnet (ein Vergleich mit der Vergangenheit ist hier nur bedingt möglich, da die Station mit 3 Jahren noch sehr jung ist, bei der letzten Kältewelle 2018 also noch nicht in Betrieb war). Vom 05. – 07. Jänner verblieben alle Landeshauptstädte im Minus (gab es zuletzt 2018), am 21. d. M. verzeichnete Bad Bleiberg in Kärnten mit einem Höchstwert von -11,8 Grad den österreichweit kältesten Tag (tiefstes Tagesmaximum) unterhalb von 1000 Meter Seehöhe – auch das hat es in Österreich seit 2018 nicht mehr gegeben (damals -12,0 Grad in Mönichkirchen, NÖ) .

Eine Frage der Perspektive
Der Jänner 2026 brachte also Kälte in einer Ausprägung, wie schon seit Jahren nicht mehr, doch wie ist er klimatologisch einzuordnen? Sehen wir uns dazu die Gesamtanzahl der Eistage an, also jener Tage mit Dauerfrost: In vielen Landeshauptstädten ist sie im heurigen Jänner zweistellig, Eisenstadt (B) zum Beispiel kommt auf 16 solcher Tage, Klagenfurt (K) auf 14, Wien (W) auf 12 – verglichen mit dem Klimamittel der letzten 30 Jahre (1991-2020) entspricht das einem Plus von bis zu stolzen 100 %! Im Großteil des Landes (von Linz/Klagenfurt ostwärts) ist die Jännerkälte also durchaus als signifikant anzusehen, doch un- oder gar außergewöhnlich (wie viele Medien insinuierten) war sie deshalb keineswegs. Ja, der Jänner hat schon lange seine Kälte-Krallen nicht mehr ausgefahren, aber selbst in der jüngeren Vergangenheit finden sich bei weitem eisigere – wie z. B. jener des Jahres 2017. Und wenn wir das Jahrhundert wechseln und uns ansehen, wie dauerfrostfreudig sich ein durchschnittlicher Jänner noch vor rund 50 Jahren (Klimamittel 1961-1990) gegeben hat, dann wird deutlich, dass das, was wir heuer erlebt haben, einst mal winterlicher Standard war. Gruß vom Klimawandel!

Die Anzahl der Eistage (Max < 0 Grad) in den Landeshauptstädten vom Jänner 2026 im Vergleich zum langjährigen Mittel:

Ort Eistage Mittel
1991-2020
Mittel
1961-1990
zuletzt mehr
Salzburg – Flughafen 9 Tage 7,8 Tage 9,3 Tage 17 / 2017
Innsbruck – Universität 4 Tage 4,3 Tage 7,2 Tage 10 / 2017
Klagenfurt 14 Tage 10,9 Tage 16,4 Tage 22 / 2017
St. Pölten 11 Tage 9,9 Tage 12,1 Tage 19 / 2017
Linz 10 Tage 7,8 Tage 10,9 Tage 20 /2017
Graz – Universität 11 Tage 6,5 Tage 11,3 Tage 14 / 2017
Eisenstadt 16 Tage 8,6 Tage 10,0 Tage 19 / 2017
Wien – Hohe Warte 12 Tage 7,9 Tage 10,5 Tage 20 / 2017
Bregenz 4 Tage 5,4 Tage 8,1 Tage 13 / 2017

Tapferes dünnes Schneedecklein
Temperaturtechnisch hat sich der Jänner also durchaus das Prädikat „ungewohnt hochwinterlich“ verdient, punkto Niederschlag aber hat auch er – wie der Dezember zuvor – ziemlich ausgelassen. Das mag im Flachland nicht so aufgefallen sein, schließlich ist zum Beginn der Kälte ein wenig Schnee gefallen, der in Folge lange liegen geblieben ist: Auf der Hohen Warte in Wien etwa sind am 10. d. M. 4 cm Neuschnee zusammengekommen, und diese paar Zentimeter konnten sich in Folge 16 Tage lang halten – die längste Schneedeckendauer in der Bundeshauptstadt seit dem Jänner 2013 (damals 17 Tage). Tapfer! Vom Rekord allerdings sind wir doch Welten entfernt, dieser liegt selbst in Wien bei unvorstellbaren 105 Tagen durchgehender Schneebedeckung im Jahre 1940. Die längste Schneedecke unter den Landeshauptstädten in diesem Winter hatte übrigens Eisenstadt (B) mit 19 Tagen Dauer.

Die Dauer der längsten durchgehenden Schneedecke in den Landeshauptstädten im Vergleich.

Ort Jänner 2026 Zuletzt  Rekord
Wien – Hohe Warte  16 Tage 17 d / 2013 105 d / 1940
St. Pölten 4 Tage 8 d / 2023 97 d / 1940
Eisenstadt 19 Tage 26 d / 2010 82 d / 1942
Linz — Tage * 10 d / 2023 107 d / 1963
Salzburg – Freisaal 37 Tage 50 d / 2019 102 d / 2006
Innsbruck – Universität 7 Tage 12 d / 2025 119 d / 1963
Bregenz 12 Tage 14 d / 2025 99 d / 1940
Klagenfurt  20 Tage 48 d / 2023 130 d / 1986
Graz – Universität 9 Tage 12 d / 2023 114 d / 1963

* mit Herbst 2025 wurde die Schneemessung in Linz eingestellt.

Geringer Input, hoher Output
Wir hatten also im Flachland die etwas paradoxe Situation, dass es bei signifikant weniger Neuschneemenge überproportional viele Schneedeckentage gegeben hat: In Wien (W) zum Beispiel rund 50 % mehr Tage mit Schneedecke bei lediglich 1/3 der monatlichen Neuschneemenge. Oder Eisenstadt (B), wo gleich doppelt so viele Jännertage schneebedeckt waren (als gewöhnlich) bei nur der Hälfte der sonst üblichen Schneemenge. Das Flachland wusste halt jede Schneeflocke auch effizient zu nützen ;) doch am Ende bleibt auch der Jänner markant hinter den Schnee-Erwartungen zurück, besonders schmerzhaft einmal mehr auf unseren Bergen: Am Hohen Sonnblick (S) beträgt das Jänner-Minus 53 %, auf der Rudolfshütte (S) 65 %, am Galzig (T) 22 %, am Pitztaler Gletscher (T) 28 % und auf der Rax (NÖ) 59 %. Das Ergebnis: Anfang Februar – also zum Beginn der Semesterferien – war gut 90 % der Fläche Österreich schneebedeckt, die Dicke der Schneedecke war allerdings auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Selbst im Hochgebirge wurden Negativrekorde verzeichnet, wie etwa auf der Rudolfshütte in den Salzburger Tauern, wo am 01. Feber eine Gesamtschneehöhe von lediglich 63 cm gemessen wurde – der geringste Wert seit Messbeginn 1962.

Die mittlere Gesamtschneehöhe auf den österreichischen Bergen im Winter 2025/26. Anfang Februar war sie auf einem rekordniedrigen Niveau (© GeoSphere Austria)

Regime-Wechsel
Alle Hoffnungen lagen somit auf den Februar, der dann tatsächlich auch eine weitere Änderung der Großwetterlage einläutete: War der Dezember sehr hochdrucklastig, dominierte im Jänner der trocken-kalte kontinentale Einfluss, bevor im Februar schlussendlich der Atlantik das Kommando übernahm – eine ausgeprägte Westwetterlage war die Folge. Wie alles im Leben hat auch das Vor-, wie Nachteile: Westwetterlagen bringen zwar kontinuierlich Niederschlag, sind aber so gut wie immer des Winters Feind. Der Februar wurde damit nass, wechselte aber zugleich aber auch wieder auf die sehr milde Seite – Schnee war somit nur im Bergland Thema. Mit einer sensationellen Ausnahme.

Meterhohe Schneemänner waren selbst in Wien zu sehen … (© wetterblog.at)

Do u wanna build a Snowman?
Freitag, 20. Februar 2026: Ein Italientief übernimmt kurz mal das Kommando, welches parademäßig über Österreich hinweg zieht und weite Teile des Landes in ein Winter-Wonderland der Extraklasse verzaubert. Italientiefs gelten als DIE Niederschlagsbringer schlechthin, toben sich meist im Süden aus, in seltenen Fällen aber schlagen sie eine ganz spezielle Zugbahn ein, bei welcher auch der Osten Österreichs viel abkriegt; viele großen Niederschlagsereignisse im Flachland lassen sich auf diese Wetterlage zurückführen – man denke etwa an die Hochwasserkatastrophe im Herbst 2024. Im Winter kann eine solche Wetterlage viel Schnee bedeuten – insofern hat das Flachland an besagtem Freitag den Schnee-Jackpot geknackt: Zweistellige Neuschneemengen in 24 Stunden im östlichen Flachland – die Bundeshauptstadt, wie auch Eisenstadt (B) und St. Pölten (NÖ), wurden für kurze Zeit zum winterlichen Schmuckkästchen.

Die Neuschneemenge in den Landeshauptstädten am Freitag, 20. Feber 2026 im Vergleich:

Ort Bundesland Neuschnee zuletzt mehr Neuschnee-Rekord
Wien – Hohe Warte W 17 cm 30 cm / 2005 30 cm / 1969 & 2005
St. Pölten 18 cm 22 cm / 2009 43 cm / 1980 & 1986
Eisenstadt B 20 cm 28 cm / 2005 30 cm / 1993
Linz 6 cm 7 cm / 2023  30 cm / 2021
Salzburg – Freisaal S 7 cm regelmäßig 35 cm / 2000
Innsbruck – Universität T 4 cm regelmäßig 55 cm / 1936
Bregenz V 3 cm regelmäßig 52 cm / 2013
Klagenfurt K 3 cm regelmäßig 40 cm / 1996
Graz – Universität ST 3 cm regelmäßig 32 cm / 1986

Der Wiener Wasserpark im 21. Bezirk am 20. Februar 2026 (© wetterblog.at)

Vom Mangel zur Gefahr
Sieht man von diesem freudigen Winterknutscher ab, verlief der Rest des Monats zwar überwiegend trüb und feucht, aber ausgesprochen mild – wie schon erwähnt, der Nachteil von Westwetterlagen. Unsere Berge allerdings konnten endlich schneemäßig etwas aufholen, in nur 2 Wochen wuchs die Schneedecke (zumindest im Hochgebirge) um einen guten Meter an! Aus meteorologischer wie auch wintersportlicher Sicht natürlich erfreulich, gleichzeitig aber war dieser schnelle Schneedeckenaufbau nun problematisch: Die Lawinengefahr stieg mit Einsetzen der Schneefälle auf Stufe 4 der 5-teiligen Skala (in der Schweiz sogar auf Stufe 5) – und wollte so schnell auch nicht mehr sinken. Mit ein Grund – und das mag jetzt überraschen: Der bis dahin schneearme Winter.

Lawinenkunde
Die Lawinengefahr ist nach starken Schneefällen immer hoch, doch sind auch die Wetterbedingungen im Herbst bzw. Winteranfang entscheidend. Fehlender Frost zum Beispiel am Beginn einer Saison kann ein maßgeblicher Faktor sein (fällt auf noch warmen Boden Schnee, schmilzt dieser von unten her und bildet eine Art „Schmiermittel“), aber auch längere Phasen mit wenig Schnee können ungünstig für den Schneedeckenaufbau werden. Wie schon erwähnt, waren Dezember und Jänner heuer neuschneemäßig stark defizitär, das wiederum führte zur Bildung beständiger Schwachschichten (Bruchstellen), die nachfolgend von ergiebigen Schneefällen „begraben“ wurden, im Schneeprofil aber dennoch vorhanden waren. Dass trotz wiederholter und klarer Warnungen, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen, im heurigen Winter 26 Todesopfer zu beklagen sind, unterstreicht eindrücklich, wie trügerisch die Lawinensituation in einem derart ungünstig aufgebauten Schneedeckensystem sein kann und wie entscheidend eine konsequente Risikovermeidung im freien Gelände ist.

Gesamtbilanz: Temperatur
Fassen wir zusammen, und beginnen bei der Temperatur: Wir haben einen überdurchschnittlich warmen Dezember und Februar, demgegenüber steht ein hochwinterlich kalter Jänner. Es gilt 2:1, unterm Strich bilanziert der Winter 2025/26 damit positiv und reiht sich auf Platz 32 der österreichischen Messgeschichte (seit 1767). Dass der Winter bei weitem nicht so streng war, wie er subjektiv manchem vorgekommen sein mag, zeigt auch der nüchterne Blick auf die Anzahl der Frost- wie auch Eistage: In kaum einer Landeshauptstadt wurde das Soll erreicht; der Jänner mag zwar ungewohnt kalt gewesen sein, Dezember und Februar haben jedoch weitgehend ausgelassen.

Die Anzahl der Frosttage (Tmin < 0 Grad) in den Landeshauptstädten vom Winter 2025/26 im Vergleich zum Mittel:

Ort Bundesland Frosttage Mittel 1991-2020 Abweichung
Salzburg – Freisaal S 64 58 +11 %
Innsbruck – Universität T 58 64 -9 %
Klagenfurt K 60 78 -23 %
St. Pölten 54 56 -4 %
Linz 49 52 -6 %
Graz – Universität ST 49 65 -25 %
Eisenstadt B 46 55 -16 %
Wien – Hohe Warte W 45 49 -8 %
Bregenz V 36 47 -23 %

Gesamtbilanz: Niederschlag
Auch beim Niederschlag haben wir ein 2:1-Verhältnis: Ein extrem trockener Dezember (österreichweit -65 %) und ein sehr trockener Jänner (österreichweit -32 %) stehen einem überdurchschnittlich nassen Februar (österreichweit +54 %) gegenüber. Der Februar konnte die große Schneefaulheit seiner Winter-Kollegen allerdings bei weitem nicht ausgleichen; bundesweit bilanziert der Winter sehr schneearm, in allen Höhenlagen (Flachland, Bergland, wie auch Hochgebirge) fehlen damit bis zu 2/3 der sonst üblichen Neuschneemengen!

Die Neuschneemenge der Landeshauptstädte vom Winter 2025/26 im Vergleich zum langjährigen Mittel:

Ort Bundesland Neuschneemenge Mittel 1991-2020 Abweichung
Wien – Hohe Warte W 31 cm 41 cm -24 %
St. Pölten 31 cm 38 cm -18 %
Eisenstadt B 26 cm 32 cm -19 %
Linz — * 46 cm — %
Salzburg – Freisaal S 35 cm 89 cm -61 %
Innsbruck – Universität T  27 cm 68 cm -60 %
Bregenz V 24 cm 62 cm -61 %
Klagenfurt K 18 cm 48 cm -63 %
Graz – Universität ST 16 cm 34 cm -53 %

* mit Herbst 2025 wurde die Schneemessung in Linz eingestellt.

Gesamtbilanz: Sonnenschein
Beim Sonnenschein hingegen unterstreichen die Zahlen, was sich viele ohnehin gedacht haben dürften: Der heurige Winter war im Flachland ausgesprochen trüb! Mehr als die Hälfte aller Wintertage brachte beispielsweise in Wien, St. Pölten, Eisenstadt und Klagenfurt kein einziges Sonnenminütchen, verlief also durchgehend grau. Das Flachland ist ja Hochnebel an sich gewöhnt, das heuer war aber selbst für die hartgesottenen Niederungen ungewöhnlich; Vergleichbares hat es zuletzt in den 70ern des letzten Jahrhunderts gegeben. Im gesamten Bergland allerdings schließt der Winter (hauptsächlich bedingt durch die andauernde Hochdrucklage im Dezember) überdurchschnittlich sonnig ab.

Abschlussworte
Die faktenbasierte Klima-Bilanz ist somit eindeutig: Der Winter war überdurchschnittlich mild, in den Niederungen sonnenarm und sehr lange schneefaul. Und dennoch überwiegt die Freude über diverse winterliche Highlights – junge Menschen, die erstmals den Zauber von weißen Weihnachten erleben durften; seit Jahren wieder zugefrorenen Seen und Flüsse im Zuge der jännerlichen Kälte; die unerreichte Stille sowie der hellste Glanz einer tief verschneiten Winternacht, selbst in einer Großstadt wie Wien. Es sind Erinnerungen, die lange bleiben. Und zeigen: Was uns im Zuge des Klimawandels alles verloren geht.

4 Kommentare
  1. Manuel Weber
    Manuel Weber sagte:

    die Statistik bzgl. Neuschneeereignisse dürfte zumindest im Falle von Wien nicht stimmen, weil viele Ereignisse rausfallen, die sich ‚zufällig‘ über den (Schneehöhen-)Beobachtungstermin um 7 Uhr gezogen haben. Sprich: es gab in der Vergangenheit wesentlich mehr derartige Ereignisse (zB. 17. Jänner 2013 – damals 25-30 cm Neuschnee auf einmal; die Gesamtschneehöhe stieg von 7 auf 30 cm).

    Antworten
    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen sagte:

      Servus Manuel, die Gesamtschneehöhe stieg beim von dir erwähnten Ereignis 2013 tatsächlich von 7 auf 30 cm – allerdings in 48 Stunden (es gab somit am 17.01. 9 cm Neuschnee und am 18.01. nochmal 15 cm). SG

      Antworten
      • Nikolas Zimmermann
        Nikolas Zimmermann sagte:

        Vielen Dank für den interessanten und umfangreichen Rückblick!
        Nur eine Anmerkung: m.M.n. war das Schneefallereignis in Wien im Dezember 2023 in den westlichen Außernbezirken geringfügig stärker als jenes im Februar 2026 (die Tawes hatte am 3.12.23 einen Zuwachs von 20 cm Schnee), im Osten Wiens hingegen etwas schwächer.
        Rein klimatologisch bzw nach 6z-Synops zeigt sich wie üblich ein leicht unterschiedliches Bild, aber mit einem Zuwachs von 5 auf 21 cm am 3.12.23 war die Größenordnung der beiden Ereignisse in etwa vergleichbar?

        LG,
        Nik

        Antworten
        • Manuel Kelemen
          Manuel Kelemen sagte:

          Servus Nik, da hast du absolut recht! Ich habe den entsprechenden Absatz geändert, er war unklar formuliert. Danke für den Hinweis! :)
          SG
          Manuel

          Antworten

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