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Winter 2023/24: Fataler Februar

28. Februar 2024/1 Kommentar/von Manuel Kelemen

Das Erbe eines einzigen Monats
Die meisten Winter der letzten Jahre teilen ein ähnliches, leidiges Schicksal: Allein in den letzten 10 Jahren waren sieben von ihnen zu warm, lediglich zwei (etwas) zu kühl. Doch egal wie überdurchschnittlich temperiert die Winter in letzter Zeit auch waren, sie alle blieben stets auf Respektsabstand zum bisher wärmsten, den Österreich (strenggenommen halb Europa!) je erlebt hat: zum Winter 2006/07 – das war quasi ungeschriebenes Gesetz, dem sich alle folgenden Winter zu fügen hatten, egal zu welchen Spompanadeln sie auch immer Lust hatten. Doch mit dem heurigen ändert sich das – zum ersten Mal schafft es ein Winter, an den bisherigen Rekordwinter aufzuschließen! Verantwortlich dafür ein einzelner Monat, der extremer gar nicht mehr hätte werden können – und dabei die Klimageschichte Österreichs komplett umgestaltet. Eine Bilanz zum Winterende.

Der Blick auf das Kitzbüheler Horn im Februar 2024: Die Schipisten aus Kunstschnee ziehen sich durch die Berglandschaft. Trauriges Sinnbild des Winters 2023/24 (Webcam: foto-webcam.eu)

Gedächtnisauffrischung: Der Winter 2006/07
Wir schreiben den 18. Jänner 2007: Orkan Kyrill – Höhepunkt eines an Stürmen reichen Winters – hinterlässt in Europa eine Spur der Verwüstung und gilt bis heute als einer der schadenträchtigsten Stürme der meteorologischen Geschichte. Der Winter 2006/07 ist Sinnbild eines atlantisch geprägten Winters; quasi im 3-Tages-Takt querten damals Stürme den europäischen Kontinent und erinnerten so an die sturmreichen Winter der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts (z.B. Orkan Vivian im Spätwinter 1990 oder Orkan Lothar zu Weihnachten 1999). Generell gilt: Hat der Atlantik mal seine Finger im Spiel, ist der Winter chancenlos; doch Kyrill war selbst für eine solche Atlantikpfuscherei in vielerlei Hinsicht herausragend, auch punkto Temperatur: Die Werte stiegen beim nächtlichen (!) Sturmdurchgang auf bis zu 20 Grad (!) – viele Jänner-Stationsrekorde mussten damals daran glauben und wurden teils um bis zu 6 Grad pulverisiert, wie zum Beispiel in Bad Goisern (OÖ), wo beim nächtlichen Kyrill-Besuch zu Mitternacht (!) 19,1 Grad gemessen wurden; der alte Jänner-Rekord (aus dem Jahre 1968) lag hier bei gerade mal 13,5 Grad.

Lange einzigartig
Atlantisch geprägte Winter kommen immer wieder vor, zuletzt 2021/22 (siehe: Eine atlantische Posse), dass dem Atlantik aber so gar nicht die Luft ausgehen will, ist wohl ein Alleinstellungsmerkmal des Winters 2006/07 – der sich damals (mit gehörigem Vorsprung) Platz 1 der wärmsten Winter Österreichs seit Messbegin 1768 sicherte und diesen in Folge auch zu verteidigen wusste. So warm seine Nachfolger auch waren, es gab zwischendurch immer wieder Atlantik-Pausen, in denen die Winter – mal mehr, mal weniger – auf sich aufmerksam machen konnten. Selbst der heurige hatte diese Abschnitte, paradoxerweise ist er in diesen sogar zu einer mittlerweile selten gewordenen Höchstform aufgelaufen – wie zum Teufel konnte der Winter 2023/24 also an den bisherigen Platzhirschen aufschließen? Nun, schauen wir uns der Reihe nach die herausragenden Ereignisse des heurigen Winters an und beginnen mit seinem Start, der vielversprechender nicht hätte sein können.

Das sichtbare Satelittenbild vom 03. Dezember 2023, in türkis die Schneebedeckung, in weiß Wolken (Quelle: Twitter/ @manu_oberhuber)

Wir sagen euch an, einen schneereichen Advent
Es war wohl einer der größten Überraschungen im gesamten Klimajahr 2023: Vom wärmsten Herbst der Messgeschichte kommend, stellte sich das Wetter pünktlich zum klimatologischen Winterbeginn um, brachte Kälte und in vielen Landesteilen die größten Neuschneemengen wie schon lange nicht mehr. Am 1. Adventsonntag waren rund 95 % des Landes schneebedeckt! Überdurchschnittlich viel Schnee kam dabei gerade auch im Flachland zusammen: In Wien (Hohe Warte, W) beispielsweise oder auch in St. Pölten (NÖ) wurde am 03. d. M. mit 21 cm bzw. 16 cm die jeweils dickste Schneedecke seit dem Februar 2013 gemessen! Und der Schnee war tatsächlich gekommen, um zu beiben: Die Bundeshauptstadt war 11 Tage am Stück weiß – mehr Schneedeckentage (Tage mit min. 1 cm Schneehöhe) in einem Dezember gab es hier zuletzt 2010, in Linz (OÖ) mit 10 Tagen zuletzt im Dezember 2012 und in Innsbruck (T) ebenfalls mit 10 Tagen 2017. Bravo!

Dezember - Schneedeckentage
Ort Bundesland Schneedeckentage
Mittel 1991-2020 Mehr Tage zuletzt (Dezember)
Graz – Universität ST 12 7,5 2021 (8 Tage)
Wien – Hohe Warte W 11 6,2 2010 (22 Tage)
Innsbruck – Universität T 10 11,2 2017 (12 Tage)
Linz OÖ 10 7,2 2012 (15 Tage)
Salzburg – Freisaal S 10 11,5 2022 (13 Tage)
Klagenfurt K 8 11,3 2021 (31 Tage)
St. Pölten NÖ 8 7,7 2010 (22 Tage)
Bregenz V 7 7,5 2022 (9 Tage)
Eisenstadt B 6 6,1 2012 (10 Tage)
Dezember - Neuschnee
Ort Bundesland Neuschneemenge Mittel 1991-2020 Abweichung
Linz OÖ 28 cm 12,9 cm +117 %
Wien – Hohe Warte W 27 cm 10,4 cm +160 %
Salzburg – Freisaal S 24 cm 25,9 cm -7 %
Bregenz V 23 cm 19,0 cm +21 %
Innsbruck – Universität T 21 cm 18,9 cm +11 %
St. Pölten NÖ 19 cm 8,6 cm +120 %
Eisenstadt B 12 cm 8,7 cm +38 %
Klagenfurt K 6 cm 17,0 cm -65 %
Graz – Universität ST 9 cm 12,8 cm -30 %

Die Hoffnung auf weiße Weihnachten blieb auch 2023 unerfüllt – trotz Schneereichtums Anfang Dezember. Aufnahme vom Wiener Türkenschanzpark im Advent 2023 (Bild: Jakob Denk)

Des Atlantiks Parade-Opfer
So erfreulich dieser Winterstart auch war, Hoffnungen auf ein weißes Weihnachtsfest blieben ein Mal mehr vergebens. Just die Zeit um Weihnachten ist geradezu prädestiniert für atlantische Interventionen, derer schon so manches vorweihnachtliche Winterkleid zum Opfer gefallen ist – das berühmt-berüchtigte Weihnachtstauwetter hat immer schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit zugeschlagen. In Kombi mit dem Klimawandel aber verkommt der weiße Traum vieler zusehends zur Utopie: In vielen Landeshauptstädten hat es schon über ein Jahrzehnt nicht mehr geklappt, St. Pölten (NÖ) hält gar mit 16 Jahren weihnachtlicher Schnee-Abstinenz den Negativrekord aller Landeshauptstädte (letztes weißes Weihnachtsfest: 2007). Und selbst höhere Lagen sind längst kein Garant mehr für ein Christfest in weiß: Auch in Mariazell (ST, 864 m) beispielsweise feierte man heuer (wie auch schon in vielen Jahren zuvor) in grün – die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten ist hier von 70 % im letzten Jahrhundert auf mittlerweile 20 % zurückgegangen. Süßer der Klimawandel nicht klinge.

Weihnachtstauwetter de luxe
Doch was sich der Atlantik zu Weihnachten 2023 hat einfallen lassen, sucht in der Messgeschichte Österreichs wohl seinesgleichen: Erst tagelang Sturm – an vielen Stationen wurden vom 21. bis 23. d. M. die höchsten je in einem Dezember gemessen Böen (teils in Orkanstärke) gemessen, etwa auf der Buchbergwarte (NÖ, 145 km/h), in Mariazell (ST, 135 km/h) oder Micheldorf (OÖ, 118 km/h). Dann folgte außergewöhnlich starker Dauerregen – an vielen Stationen wurden am 22. oder 23. d. M. die höchsten Dezember-Tagesniederschlagssummen der jeweiligen Messgeschichte verzeichnet, etwa in Puchberg am Schneeberg (NÖ, 67 mm), in Wiener Neustadt (NÖ, 50 mm) oder Bruck an der Mur (ST, 47 mm). Die alten Niederschlags-Rekordmarken waren zum Teil über 50, in Wiener Neustadt gar über 100 Jahre alt! Und dann gabs – quasi als Bescherung – Rekordtemperaturen zu Weihnachten: Erst vielerorts die wärmste Christnacht – an 16 Stationen, und damit an mehr als der dreifachen Menge (!) über alle Jahre zuvor, wurde österreichweit die 10-Grad-Marke nicht unterschritten -, dann die wärmsten Weihnachtsfeiertage vor allem im Osten Österreichs – etwa mit 18,3 Grad in Berndorf (NÖ) am Christtag oder mit 19,0 Grad in Kroisegg (B) zu Stefani. Zum Vergleich: Die bisher höchste weihnachtliche Temperatur in der gesamten Osthälfte Österreichs wurde im Jahr 1983 gemessen mit 17,6 Grad in St. Radegund (ST). Sturmrekorde, außergewöhnlich starker Dauerregen und regional die höchsten Temperaturen seit Messbeginn – mehr Weihnachtstauwetter geht nun wirklich nicht mehr.

Sturm-Rekorde Dez 2023

Ausgewählte Stationen, die im Dezember 2023 einen Rekord der höchsten Windböe verzeichnet haben:

Ort Bundesland Höchste Böe 2023 Alter Rekord
Messbeginn
Kolomansberg S 146,2 km/h 134,6 km/h / 2023 2008
Buchberg NÖ 145,1 km/h 137,2 km/h / 2018 2009
Mariazell ST 135,4 km/h 112,7 km/h / 2005 2001
Micheldorf OÖ 118,1 km/h 91,4 km/h / 2008 2008
Lunz am See NÖ 107,6 km/h 89,3 km/h / 2005 1994
Kapfenberg ST 105,8 km/h  70,2 km/h / 2013 1997
Galtür T 92,5 km/h 86,4 km/h / 2003 1996
Niederschlags-Rekorde Dez 2023

Ausgewählte Stationen, die im Dezember 2023 einen Rekord der höchsten Tagesniederschlagssumme verzeichnet haben:

Ort Bundesland  24-h-Menge Alter Rekord
Messbeginn
Mittelberg V 103,5 mm 94,6 mm / 2018 1994
Fischbach ST 74,3 mm 38,4 mm / 2004 1981
Puchberg NÖ 67,0 mm 63,9 mm / 1961 1949
Seefeld T 66,2 mm 53,9 mm / 2020 1948
Wiener Neustadt NÖ 50,1 mm 40,0 mm / 1902 1857
Bruck an der Mur ST 47,2 mm  45,8 mm / 1947 1895
Bernstein B 37,2 mm 29,2 mm / 1964 1949
Temperatur-Rekorde Weihnachten 2023

Die höchsten Temperaturen zu Weihnachten 2023 im Vergleich zu den bisher höchsten Temperaturen an einem der Weihnachtsfeiertage:

Ort Bundesland Höchstwert 2023 Messbeginn Alter Höchstwert
Kroisegg B 19,0 Grad 2016 14,3 Grad / 24.12.2017
Wr. Neustadt NÖ 18,6 Grad 1948 17,0 Grad / 26.12.1983
Berndorf NÖ 18,3 Grad 1992 15,0 Grad / 25.12.2009
Weyer OÖ 17,8 Grad 1968 17,9 Grad / 25.12.2009
Eisenstadt B 17,7 Grad 1936 15,5 Grad / 24.12.1967
Bad Vöslau NÖ 17,3 Grad 2021 13,2 Grad / 26.12.2022
St. Radegund ST 17,2 Grad 1955 17,6 Grad / 25.12.1983

Bergvorteile
Die Tage vor Weihnachten brachten gebietsweise mehr als die 1,5-fache Menge eines durchschnittlichen Monatsniederschlags – kein Wunder, dass der Dezember 2023 in der Gesamtbilanz als der niederschlagsreichste seit dem Jahr 1918 bilanziert. Auch wenn die Niederungen schneemäßig  (nach den ersten Dezembertagen) nichts mehr abbekommen haben (weil schlicht zu warm), für unsere Berge war der Dezember dank dieses Niederschlagsüberschusses höchst profitabel: Am Pitztaler Gletscher (T, 2864 m) summierten sich 269 cm Neuschnee – ein Plus von 116 % und die höchste Dezember-Neuschneemenge seit Messbeginn 1989 (alter Rekord: 233 cm / Dez 1991; spannend zu erwähnen an dieser Stelle: Auch der November 2023 brachte am Pitztaler Gletscher mit 291 cm einen Neuschneerekord). Auf der Rudolfshütte in den Tauern (S, 2317 m) beträgt das Neuschnee-Plus 54 % (321 cm – größte Menge seit 1991), am Hohen Sonnblick (S, 3109 m) stolze 50 % (323 cm – größte Menge seit 2011). Diese Schneefreudigkeit ist dem Dezember 2023 – trotz aller Vergehen zu Weihnachten – hoch anzurechnen.

Kalter Hoffnungsschimmer
Nachdem der Jahreswechsel heuer (anders als in den Vorjahren) mal ohne gröbere Auffälligkeiten über die Bühe ging, beruhigte sich der Atlantik langsam und ab der zweiten Jännerwoche war der Weg frei für einen weiteren Vorstoß polarer Luftmassen. Dieser glänzte zwar weniger mit Schnee, dafür aber mit einer Kältewelle und den regional tiefsten Temperaturen seit Jahren – etwa in Wien: Mit Ausnahme der Inneren Stadt gab es an allen Wiener Stationen strengen Frost (≤ -10 Grad) und damit die tiefsten Werte in der Bundeshauptstadt seit dem März 2018. Und wie es sich für eine Kältewelle gehört, sind die Temperaturen auch tagsüber kaum ins Plus gekommen, Eistage (Höchstwert < 0 Grad) standen an der Tagesordnung, am 09. Jänner blieben gar 8 von 9 Landeshauptstädte im Dauerfrost stecken. Der Winter könnte ja, wenn er will, und vor allem: Wenn man ihn auch ließe.

He is back
Doch sollte dieser winterliche Abschnitt der letzte bleiben; in der zweiten Jännerhälfte riss der Atlantik das Szepter neuerlich an sich und blies zum Generalangriff, um selbst das kleinste Wintergefühl aus Österreich zu verbannen. Zu Beginn wusste sich der Winter gegen diese atlantische Übermacht noch zu verteidigen, wie exemplarisch schön das Beispiel Mittelberg (V) zeigt: Zum Ende der jännerlichen Kältewelle ging es im Vorarlberger Kleinwalsertal quasi im 24-Stunden-Rhythmus von zweistelligen Minusgraden ins zweistellige Plus und schnurstracks wieder zurück. In nur 4 Tagen entspricht das einer Temperaturdifferenz von 50 Grad – einzigartig in der Mittelberger Messgeschichte (größter Temperaturgang in 96 Stunden seit Messbeginn 1994). Doch so sehr sich der Winter auch wehrte, schlussendlich obsiegte der Atlantik – nicht nur in Mittelberg, im ganzen Land: Vom 21. Jänner weg – de facto den gesamten folgenden Hochwinter und damit die klimatologisch kälteste Zeit des Jahres hindurch – brachte ein jeder (!) der verbleibenden 40 Wintertage zweistellige Temperaturen in Österreich, und nicht selten purzelten dabei die Wärme-Rekorde …

Rekorde noch und nöcher
Wie zum Beispiel am 24. Jänner 2024: Monatsrekorde an vielen Stationen Tirols – etwa in Imst mit 17,9 Grad (alt: 17,0 Grad / 2015), Prutz mit 15,1 Grad (alt: 13,5 Grad / 1993) und Nauders mit 13,6 Grad (alt: 12,4 Grad / 2002). Oder am 05. Februar 2024: Dekadenrekorde (für das erste Februardrittel) in der Steiermark und im Südburgenland mit 21,3 Grad am Grazer Flughafen (alt: 17,6 Grad / 2004), 21,2 Grad in Deutschlandsberg (alt: 19,2 Grad / 2004) und 20,9 Grad in Güssing (alt: 18,7 Grad / 2016). Am 16. Februar 2024 eroberte die Rekordwärme unsere Berge: Zum Beispiel bei der Rudolfshütte (S) auf knapp 2300 Meter Seehöhe in den Tauern mit 9,7 Grad (Februar-Rekord, alt: 9,1 Grad / 2021) oder auf der Schmittenhöhe bei Zell am See (S) auf rund 2000 Meter Seehöhe mit 12,9 Grad (Februar-Rekord, alt: 12,8 Grad / 1950).

Jänner - Stationsrekorde

Eine Auswahl jener Tiroler Stationen, die am 24. Jänner 2024 einen Monatsrekord verzeichnet haben:

Ort Bundesland Höchstwert 2023 Alter Rekord
Messbeginn
Imst T 17,9 Grad 17,0 Grad / 2015 1936
Landeck T 16,6 Grad 16,3 Grad / 1993 1946
Prutz T 15,1 Grad 13,5 Grad / 1993 1967
St. Jakob i. D. T 14,0 Grad 13,7 Grad / 2007 1938tz
Nauders T 13,6 Grad 12,4 Grad / 2022 1958
Alpbach T 12,8 Grad 12,7 Grad / 2023 2007
Schmirn T 12,6 Grad 12,6 Grad / 2015 2004
Brenner T 11,0 Grad 10,0 Grad / 1953 1948
Februar - Dekadenrekorde

Eine Auswahl an Stationen, die am 06. Februar 2024 einen Dekadenrekord (01. – 10.02.) verzeichnet haben:

Ort Bundesland Höchstwert 2023 Alter Rekord
Messbeginn
Graz – Flughafen ST 21,3 Grad 17,6 Grad / 2004 1950
Deutschlandsberg ST 21,2 Grad 19,2 Grad / 2004 1895
Graz – Straßgang ST 21,1 Grad 17,5 Grad /2011 2007
Güssing B 20,9 Grad 18,7 Grad / 2016 1948
Lutzmannsburg B 20,9 Grad 17,5 Grad / 2004 1995
Fürstenfeld ST 20,6 Grad 18,0 Grad / 1902 1936
Bad Gleichenberg ST 20,5 Grad  17,0 Grad / 1947 1895
Feldbach ST 20,1 Grad 17,9 Grad / 2011 1998
Februar - Stationsrekorde

Eine Auswahl an Stationen, die im Februar 2024 einen Monatsrekord verzeichnet haben:

Ort Bundesland Höchstwert 2023 Alter (Winter-)Rekord
Messbeginn
Schmittenhöhe S 12,9 Grad 12,8 Grad / 1950 1895
Galzig T 10,0 Grad 10,0 Grad / 2021 1993
Rudolfshütte S 9,7 Grad 9,1 Grad / 2021 1961

Winternachtsalpträume
Auch die Nächte blieben von diesem Wärme-Irrsinn nicht verschont, jene auf den 05.02. war beispielsweise in der halben Steiermark die mit Abstand wärmste Winternacht überhaupt – etwa in Kapfenberg, das mit einem Minimum von 12,0 Grad seinen alten Rekord (vom Februar 1998) um satte 5 Grad (!) überboten hat. In der Folgenacht am 06.02. wurde in Reichenau an der Rax (NÖ) ein Tiefstwert von lediglich 13,7 Grad gemessen (alter Rekord: 12,6 Grad / Dez 2014) – selbst viele Hochsommernächte sind hier kühler, das durchschnittliche Juli-Minimum kommt auf lediglich 13,2 Grad. Am 11.02. folgte schließlich der Überhammer: Ausnahmslos alle Stationen unterhalb einer Seehöhe von 1400 Meter Seehöhe blieben im Plus – nie zuvor hat es derartiges gegeben, die erste (quasi) frostfreie Winternacht in Österreich.

Winter - Wärmste Nacht

Eine Auswahl an Stationen, die im Februar 2024 die wärmste Winternacht ihrer Messgeschichte (höchstes Minimum) verzeichnet haben:

Ort Bundesland höchstes Min. 2024 Alter (Winter-)Rekord
Messbeginn
Reichenau an der Rax NÖ 13,7 Grad 12,6 Grad / Dez 2014 1895
Kapfenberg ST 12,0 Grad 7,0 Grad / Feb 1998 1997
Leoben ST 10,3 Grad 6,0 Grad / Feb 2020 2012
Rottenmann ST 9,4 Grad  8,8 Grad / Dez 2019 2009
Kalwang ST 9,0 Grad 7,0 Grad / Dez 1985 1966

Beschämende Frostlosigkeit
Während man Dezember und Jänner ja noch zugutehalten kann, dass sie es punkto Winter zumindest probiert haben – die jeweiligen kalten Abschnitte wirken sich freilich auf die Monatsbilanz aus -, war der Februar schlicht eine winterliche Bankrotterklärung: An gezählten 21 (von heuer 29 – Schaltjahr) Februartagen gab es mehr als 15 Grad in Österreich – das haben selbst die bisher wärmsten Februare nicht hinbekommen (alter Rekord: 19 Tage, Feb 1998). An insgesamt 9 Stationen blieb der gesamte Februar hindurch frostlos, wie zum Beispiel auf der Hohen Warte in Wien (Messbeginn 1872), in Bregenz (Messbeginn 1936) oder auch auf der Hohen Wand im südlichen Niederösterreich (Messbeginn 1991) auf rund 940 Meter Seehöhe (!) – der erste frostlose Wintermonat der jeweiligen Messgeschichte (auf der Hohen Wand gabs noch nicht mal einen frostfreien März!).

Auf der Hohen Wand (NÖ) verlief der Februar 2024 komplett frostfrei – als erster Wintermonat überhaupt (Bild: wetterblog.at)

Und selbst jene Stationen, die zumindest anstandshalber Minusgrade zusammenbekommen haben, sind nie zuvor derart frostzahm durch einen Wintermonat gekommen – egal ob im Waldviertel (z.B. Zwettl), im Mühlviertel (z.B. Reichenau im Mühlkreis), im Mostviertel (z.B. Lunz am See) in der Obersteiermark (z.B. Mariazell), im oberösterreichischen Zentralraum (z.B. Kremsmünster), im Salzburger Pinzgau (z.B. Krimml) und Pongau (z.B. Bischofshofen), im Tiroler Zillertal (z.B. Mayrhofen), im Vorarlberger Kleinwalsertal (z.B. Mittelberg) oder in den Kärntner Karawanken (z.B. Loiblpass): rund die Hälfte aller Stationen in Österreich verzeichnet einen Negativrekord punkto Frost! Die Grundeigenschaft eines jeden Wintermonats – Kälte – ist dem Februar 2024 vollends abhandengekommen.

Februar - Frosttage, Landeshauptstädte

Die Anzahl der Frosttage im Februar 2024 – mit Ausnahme von Klagenfurt und St. Pölten der frostärmste Wintermonat der jeweiligen Messgeschichte:

Ort Bundesland Frosttage 2024
Mittel 1991-2020 Rekord Winter
Klagenfurt K 16 Tage 25,6 12 / Feb 2014
Graz – Universität ST 5 Tage 18,5 alt: 7 / Feb 2016
Innsbruck – Universiät T 4 Tage 20,4 alt: 7 / Feb 1974
St. Pölten NÖ 4 Tage 16,7 2 / Feb 1966
Linz OÖ 2 Tage 15,6 alt: 2 / Feb 1966
Eisenstadt B 1 Tag 17,6 alt: 3 / Feb 1966
Salzburg – Freisaal S 1 Tag 18,3 alt: 6 / Feb 2020
Bregenz V 0 Tage 15,7 alt: 2 / Feb 1995
Wien – Hohe Warte W 0 Tage 14,7 alt: 2 / Feb 1966
Februar - Frosttage, ausgew. Orte

Die Anzahl der Frosttage im Februar 2024 ausgewählter Stationen im Vergleich zum Klimamittel und deren bisherigen Winter-Negativrekorden:

Ort Bundesland Frosttage 2024
Mittel 1991-2020 Rekord Winter
Krimml S 11 Tage 25,9 alt: 19 / Feb 1957
Mariazell ST 9 Tage 22,0 alt: 12 / Dez 1955
Bischofshofen S 8 Tage 22,3 alt: 12 / Feb 2016
Zwettl NÖ 8 Tage 24,0 alt: 15 / Feb 1974
Mittelberg V 9 Tage 23,8 alt: 12 / Dez 2015
Mayrhofen T 7 Tage 16,7 alt: 11 / Feb 1974
Kufstein T 5 Tage 19,7 alt: 7 / Feb 2016
Loilpass K 4 Tage 22,3 alt: 9 / Feb 1966
Reichenau im Mühlkreis OÖ 4 Tage 22,7 alt: 13 / Feb 2002
Litschau NÖ 3 Tage 22,9 alt: 9 / Feb 1966
Fraxern V 2 Tage 16,6 alt: 3 / Dez 2015
Reichersberg OÖ 2 Tage 18,4 alt: 6 / Feb 2007
Neudorf / Landsee B 0 Tage – alt: 4 / Feb 2016
Wien – Donaufeld W 0 Tage 14,7 alt: 4 / Feb 2016
Hohe Wand NÖ 0 Tage 20,9 alt: 9 / Dez 2015
Buchbergwarte NÖ 0 Tage 17,3 alt: 7 / Feb 2015
Leiser Berge NÖ 0 Tage 18,8 alt: 6 / Feb 1966

Die höchsten Abweichungen zum Mittel 1991-2020 aller Monate in Österreich (Bild: wetterblog.at)

Februarischer Usurpator
Der Februar bilanziert damit nicht nur als der absolut wärmste Wintermonat, den Österreich je erlebt hat, sondern auch als einer der (in Relation) extremsten Monate in der langen Messgeschichte unseres Landes (insgesamt 3083 Monate): Die Abweichung (zum eh schon warmen Vergleichszeitraum 1991-2020) beträgt unvorstellbare 5,4 Grad – kein anderer Monat hat eine höhere Anomalie vorzuweisen, weder jene des Winters 2006/07 (Kyrill-Jänner 2007 zum Beispiel kommt auf +4,0 Grad), noch irgendein Sommermonat (der bisher extremste mit einer Abweichung von „nur“ 3,8 Grad war wohl der Juni 2019, in dem rund die Hälfte aller Wetterstationen in Österreich neue Hitzerekorde gemessen haben mit Höchstwerten bis an die 39 Grad). Der Februar 2024 ist damit in vielerlei Hinsicht eine Zäsur in Österreichs Klimageschichte und dermaßen außergewöhnlich, dass er praktisch im Alleingang den gesamten Winter an die Spitze der wärmsten – Seite an Seite mit dem Winter 2006/07 – hievt:

Mariazell am 24. Jänner 2024: In nur wenigen Stunden komplett ausgeapert (Webcam: mariazell.at / via Twitter, @manu_oberhuber)

Schneedramen unten …
Angesichts dieses – in der zweiten Winterhälfte durchgehenden – Wärme-Irrsinns darf es nicht weiter verwundern, wenn die Schneebilanz in vielen Landesteilen stark negativ ausfällt. So erfreulich schneereich wir auch in diesen Winter gestartet sind, viele Schneedecken des Landes – nicht nur im Flachland, im gesamten Bergland (unterhalb von rund 1800 Meter Seehöhe) – haben nicht mal den Jänner überlebt und flossen förmlich davon – wie exemplarisch schön das Beispiel Mariazell (ST) zeigt, das in nur nur wenigen Stunden komplett ausgeapert ist. Die Schneeschmelze war dermaßen ausgeprägt, dass bereits Ende Jänner in den österreichischen Alpen die für die Jahreszeit geringste Schneebedeckung der letzten (mindestens) 30 Jahre beobachtet wurde – obwohl der Dezember viel Schnee brachte. Und vor allem: Obwohl Niederschläge auch danach reichlich zur Verfügung standen. Der Winter 2023/24 bilanziert nämlich unterm Strich als einer der niederschlagsreichsten der letzten 75 Jahre.

Anteil der schneebedeckten Fläche in den österreichischen Alpen; in rot der Winter 2023/24 (Quelle: Center for the Study of the Biosphere from Space, Toulouse)

… gut bestückt oben
Darin unterscheidet sich der Winter auch vom bisher wärmsten 2006/07; dieser war in vielen Regionen relativ trocken, die Schneearmut damals war also eine Kombi zwischen hohen Temperaturen und wenig Niederschlag. Im heurigen sind ausnahmslos die hohen Temperaturen verantwortlich; nach einem schneereichen Dezember haben Jänner und Februar – trotz ausreichender Niederschläge – kaum bis gar keinen Schnee mehr nachgeliefert, das Minus ist dementsprechend gewaltig: In den meisten Landeshauptstädten konnte sich nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Neuschneemengen summieren (in Klagenfurt und Graz beträgt das Minus gar mehr als 70 %), auch in vielen Wintersportorten beträgt das Minus immer noch zwischen 20 und 50 %, abhängig von der Seehöhe (je tiefer, umso größer: in Bischofshofen (S) auf rund 600 Meter z.B. -40 %, in St. Anton (T) auf 1300 Meter -27 %). Erst ab einer Seehöhe von rund 1800 Meter wandelt sich das Bild,  Obergurgl – Österreichs höchster, dauerhaft bewohnter Ort in den Ötztaler Alpen (T) auf rund 1900 Meter Seehöhe – kommt auf ein sattes Neuschneeplus von 41 %, der Pitztaler Gletscher (T) nebenan gar auf stolze 78 %. Daraus jedoch zu schließen, die Winterwelt im Hochgebirge sei in Ordnung, wäre ein Fehler; auch im Hochgbirge war der Winter außergewöhnlich warm – in Relation versteht sich. „Warm“ bedeutet ab einer gewissen Seehöhe auch im Winter eine Temperatur unter Null Grad – bei viel Niederschlag, gibts viel Schnee. Eigentlich logisch.

Winter - Neuschnee, Landeshauptstädte

Die Neuschneemenge der Landeshauptstädte vom Winter 2023/24 im Vergleich zum langjährigen Mittel:

Ort Bundesland Neuschneemenge Mittel 1991-2020 Abweichung
Salzburg – Freisaal S 38 cm 89 cm -57 %
Innsbruck – Universität T 35 cm 67 cm -48 %
Linz OÖ 30 cm 46 cm -35 %
Wien – Hohe Warte W 30 cm 40 cm -25 %
Bregenz V 28 cm 61 cm -54 %
St. Pölten NÖ 21 cm 37 cm -43 %
Klagenfurt K 13 cm 48 cm -73 %
Eisenstadt B 12 cm 31 cm -61 %
Graz – Universität ST 9 cm 35 cm -74 %
Winter - Neuschnee, ausgew. Orte

Die Neuschneemenge ausgewählter Orte (in allen Höhenlagen) vom Winter 2023/24 im Vergleich zum langjährigen Mittel:

Ort Bundesland Seehöhe Neuschneemenge 1991-2020 Abweichung
Bischofshofen S 550 m 87 cm 145 cm -40 %
Seefeld T 1182 m 134 cm 265 cm -49 %
St. Anton am Arlberg T 1304 m 163 cm 222 cm -27 %
Warth V 1478 m 336 cm 407 cm -18 %
Rax NÖ 1547 m 159 cm 224 cm -29 %
Obertauern S 1772 m 504 cm 565 cm -11 %
Obergurgl T 1941 m 330 cm 222 cm +48 %
Villacher Alpe K 2117 m 207 cm 166 cm +25 %
Pitztaler Gletscher T 2864 m 558 cm 313 cm +78 %
Rudolfshütte S 2317 m 682 cm 621 cm +10 %
Sonnblick S 3109 m 766 cm 683 cm +12 %

Eindringliche Schlussworte
Hat der Atlantik erst seine Finger im Spiel, ist beim Winter so gut wie immer Hopfen und Malz verloren (freilich abhängig davon, wie lange er das Kommando innehat) – mit ein Grund, warum auch in der Vergangenheit nicht immer ein jeder kalt sein konnte. Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass ein Winter aus dem 18. Jahrhundert (1795/96) rund 200 Jahre lang unangefochten an der Spitze der wärmsten Österreichs stand, oder dass bereits in den 1910er Jahren besonders milde Winter häufig waren. Dass aber ein Wintermonat sämltliche Wintereigenschaften ablegt, ist beispiellos – und sollte eindringliche Warnung an uns alle sein: Nicht auszumalen, wie unsere Winter aussehen würden, wenn künftige Dezember und Jänner beschließen, dem heurigen Februar mit seiner nie dagewesenen Abweichung von 5,4 Grad nacheifern zu wollen. Oder gar ein Sommermonat auf die Idee kommt, diesem Beispiel zu folgen – Österreich stünde vor einer Naturkatastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Ein Szenario, das nach diesem Februar so unwahrscheinlich gar nicht mehr scheint.

PS: Mein obliagatorischer Dank geht wieder an alle jene Menschen, die mich stets tatkräftig unterstützen, den Mut haben, mir auch zu sagen, wenn meine Gedanken mal Mist sind und vor allem: nie aufhören, an mich zu glauben :)

PPS: Ich bitte alle Kollegen, meine Inhalte nicht einfach zu kopieren. Ich stecke viel Arbeit in diese Bilanzen, es ist schlicht unfair, dann nicht mal Erwähnung zu finden. Vielen Dank!

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1 Kommentar
  1. Thomas Kamer
    Thomas Kamer sagte:
    28. Februar 2024 um 1:53 p.m.

    Lieber Herr Kelemen! Ich habe Sie letztens bei Ihrem Vortrag gesehen und war schlichtweg begeistert. Bitte machen Sie weiter so!! Liebe Grüße!

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