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Winter 2015/16: Silber!

28. Februar 2016/0 Kommentare/in Beiträge/von Manuel Kelemen

Alles, nur kein Winter
Blühende Wiesen im Dezember, Pollenflug im Jänner und Bienen, die sich bereits im Februar zu Tode rackern: Der Winter 2015/16 hat praktisch durchgehend einen auf Frühling gemacht und platziert sich damit auf Platz 2 der wärmsten Winter der österreichischen Messgeschichte. Die Bilanz eines Winters, der nie wirklich einer sein wollte.

Dezemberliche Sommergefühle
Gleich zu Beginn hat der Dezember gezeigt, was Sache ist: In praktisch allen relevanten (klimatologischen) Parametern war dieser Monat auf Rekordjagd! Er bilanziert damit nicht nur als sonnigster und schneeärmster Dezember aller Zeiten, er zählt auch zu den trockensten (Platz 2) und wärmsten (österreichweite Abweichung: +2,8°, Platz 4). Schifahren im Dezember? Fehlanzeige! Auf den Bergen war Wandern angesagt: Mit einer Rekordabweichung von unglaublichen +6,6° lagen die Temperaturen an so manchem Tag auf Sommerniveau! (Mehr zum Rekord-Dezember 2015 gibt’s hier).

Flockenmangel
Zum ersten Mal (zumindest seit Aufzeichnungen existieren) waren damit viele Schiorte – darunter auch Kaliber wie beispielsweise die Olympiaregion Seefeld (T) – den gesamten Dezember hindurch schneefrei. Keine einzige Flocke in einer Region, die sich normal über 80 cm Neuschnee freuen kann! Noch extremer das Hochgebirge: Am Sonnblick auf 3100 Meter in Salzburg gab’s ganze 20 cm, ein „normaler“ Dezember bringt’s auf 2 1/2 Meter! Übrigens waren auch erstmals alle Landeshauptstädte den gesamten Dezember hindurch schneefrei, Weihnachten selbst in Höhenlagen, die bisher als schneesicher galten, grün.

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Blick auf den Traunsee (OÖ). Es könnte ein Sommerbild sein, in Wirklichkeit aber ist es eine Aufnahme vom 24.12.2015 (Foto: foto-webcam.eu)

Wenn winterlich nicht reicht
Nach so einem Dezember, konnte es nur noch bergauf gehen – und tatsächlich gab sich der Jänner von allen Wintermonaten noch am „winterlichsten“. Zwei Mal war Österreich im Griff russischer Kaltluft – einmal bloß halbherzig zu Beginn des Monats (eigentlich war dabei nur der Osten betroffen) und einmal so richtig in der dritten Jännerwoche. Vor allem diese zweite Kältewelle hat gezeigt, dass der Winter kann, wenn er nur will und brachte vielerorts die tiefsten Temperaturen seit dem Winter 2012! Landauf, landab wurde die -20°-Marke geknackt, Tiefstwert -28,2° am Brunnenkogel auf knapp 3500 Meter in Tirol. Ein paar kalte Tage aber machen noch lange keinen Winter und so bilanziert auch der Jänner 2016 zu warm (Abweichung +1,3°) und reiht sich damit in die Top 40 der wärmsten ever.

Tiefstwerte 19.01.2016

Quer über Österreich brachte die Nacht zum 19. Jänner 2016 unter -20°, rund 80% aller österreichischen Messstationen waren zweistellig im Minus. Es war die kälteste Nacht seit Februar 2012 (Graphik: ZAMG/wetterblog.at)

Summ, summ, summ
Wenn zwei Kältewellen nicht ausreichen, damit ein Monat halbwegs „normal“ abschließt, kann man sich ausmalen, wie außerordentlich warm es sonst gewesen sein muss. Als Folge setzte die Hasel außerordentlich früh zur ersten Blüte ein und markierte damit schon im Jänner den Start in die Pollensaison, Anfang Februar markierten die ersten Schneeglöckchen den Beginn des phänologischen Vorfrühlings1. Und auf diesen folgen in der Regel die Bienen: Nachdem die kleinen Helfer heuer sowieso großteils auf die Winterruhe verzichtet hatten, kamen mit den ersten Frühjahrsblühern nun die Honigsammler – freilich fatal, viele werden als Workaholics zugrunde gehen. Aber die wenigsten Bienenstöcke bedienen sich eines Kalenders und sind nun mal auf äußere Reize angewiesen – ist es draußen warm und die Blumen sind am blühen, heißt das für die Bienen nun mal Arbeitsbeginn.

Sommeranalogien
Und da es nach der Jänner-Kältewelle praktisch nicht mehr kalt geworden ist, kann man den Bienen ihren Eifer ja nicht mal vorwerfen. Die gesamte Phase des Hochwinters hindurch, normal die kälteste Zeit des gesamten Jahres, lagen die Temperaturen jenseits von Gut und Böse, selbst Nachtfrost gab es in den Niederungen so gut wie keinen! Das wäre so, als gebe es im Hochsommer keine Sommertage (Temperaturen ≥ 25°) – ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, welchen Aufschrei das zur Folge hätte, natürlich tatkräftig unterstützt mancher Medien. Höhepunkt des Pseudo-Winters übrigens der 22. Februar mit frühsommerlichen 23,2° in Pottschach (NÖ, Februar-Rekord2). Damit überrascht es wenig, dass auch der Februar unter’m Strich zu den wärmsten zählt, ja sich sogar mit Platz 2 auf’s Stockerl stellt (gleichauf mit dem Februar 2002, Abweichung +4,1°).

Temperaturabweichung Winter 2015/16

Österreichweit war dieser Winter zu warm! Temperaturabweichung in °C vom Mittel 1981-2010 (Graphik: ZAMG)

1 Woche Winter
De facto lässt sich also der gesamte Winter 2015/16 auf eine einzige (!) Jännerwoche festnageln; im Osten Österreichs kann man noch den kalten Jahresstart hinzuzählen, wenn man will. Ein Trauerspiel! Damit gesellt sich dieser Winter zu seinem Kollegen von vor 2 Jahren (2014/15) auf Platz 2 der wärmsten der 248-jährigen österreichischen Messgeschichte.

Die wärmsten Winter Österreichs

Die wärmsten Winter Österreichs! (Foto: istock/wetterblog.at)

Weiters ist er der nunmehr 3te Winter in Folge sowie der 5te innerhalb der letzten 10 Jahre, der eine Top-10-Platzierung einheimst! Übrigens: Einzig der einen Kältewelle im Jänner haben wir es zu verdanken, dass der heurige Winter nicht vollends zur Blamage verkommt und auch noch den bisherigen Rekordhalter 2006/07 vom Thron stößt – hier der Vergleich der Temperaturabweichungen (in °C):

2006/07 20015/16 2013/14
Dezember +1,6° +2,8° +1,5°
Jänner +4,7° +1,3° +3,3°
Feber +3,9° +4,1° +3,3°
Winter +3,4° +2,7° +2,7°


Mehr Regen, weniger Schnee

Zum Abschluss wollen wir uns noch die Schneesituation des vergangenen Winters ansehen; der Dezember war ja gekennzeichnet durch extremen Mangel, welcher auch in Folge nicht ausgeglichen werden konnte: österreichweit fiel im gesamten Winter 50% weniger Schnee als gewöhnlich, obwohl  es gleichzeitig 10% mehr Niederschlag3 gab! Der hohen Temperaturen wegen, fiel halt häufig Regen – vor allem die Niederungen schauten oft durch die Finger. Aber auch das Bergland hat heuer rund 1/3 weniger Schnee abbekommen, hier fällt’s nur nicht so auf, einmal gefallener Schnee hält sich ja in der Regel länger. Ein paar Beispiele des heurigen Winters (zufällige Auswahl):

Ort Seehöhe Neuschnee  Abweichung
Wien / W  198 m 13 cm  -75 %
Bad Gleichenberg / ST  296 m 8 cm  -84 %
Bregenz / V  424 m 22 cm  -66 %
Klagenfurt / K  450 m 25 cm  -50 %
Bad Ischl / OÖ  507 m 73 cm  -54 %
Bad Gastein / S  1092 m 120 cm  -36 %
Seefeld / T  1182 m 190 cm  -25 %
Schröcken / V  1244 m 326 cm  -33 %
Sonnblick / S  3109 m 496 cm  -27 %

 

Schröcken

Schröcken in Vorarlberg am 11. 02. 2016. Die Winteridylle trügt ein wenig, über den gesamten Winter hinweg summierten sich auch hier rund 33% weniger Neuschnee (Foto: foto-webcam.eu)

Zukunftsblick
Rekordtemperaturen, frostfreie Nächte, mehr Niederschlag, aber weniger Schnee: Dieser Winter war wie ein Blick in unsere Zukunft. Genauso wie auch schon der letzte Sommer. Man braucht nun wirklich kein Genie sein, um zu erkennen, dass da was ganz gehörig falsch läuft. Der Klimawandel hat Fahrt aufgenommen und wir alle sollten uns die Frage stellen: Ist das allen Ernstes die Zukunft, die wir wollen? Wenn ja, dann seid euch gewiss: Wir stehen erst am Anfang …

PS: Können wir Rückschlüsse vom Winter auf den nun beginnenden Frühling oder gar auf den bevorstehenden Sommer ziehen? Nein! Aber man kann – unabhängig vom Winter – sagen, dass es just der Frühling ist, der punkto Klimawandel am stärksten reagiert, allen voran der April, der seit den 70ern des vergangenen Jahrhunderts kontinuierlich wärmer wird. Der subjektive Eindruck, wir rutschen immer schneller vom Winter in den Sommer, ist dadurch erklärt. Und dass die Sommer immer heißer werden, ist freilich auch kein Geheimnis mehr – den letzten kalten Sommer hatten wir 1996, also vor 20 Jahren. Die Wahrscheinlickeit ist demnach sehr hoch, dass auch dieser Sommer überdurchschnittlich warm wird …

Dank an Alexander Orlik (ZAMG)


Fußnoten
1
Es gibt 3 Arten, den Beginn einer Jahreszeit zu definieren:

    •  Meteorologisch zum Monatsersten im März (Frühling), Juni (Sommer), September (Herbst) und Dezember (Winter),
    •  Astronomisch nach Sonnenstand mit variierenden Jahreszeitanfängen (stehen in jedem Kalender),
    • Phänologisch durch Beobachtung der Vegetation. Der Vorfrühling startet hierbei mit dem Blühen der ersten Schneeglöckchen, der Vollfrühling mit dem Blühen des Flieders.

2 Gleichauf mit Altenmarkt/Triesting (NÖ) vom 25.02.1990
3 Der Dezember war zwar extrem trocken (-81%), als Ausgleich aber Jänner (+42%) und Februar (+100%) sehr nass. In Summe bilanziert der Winter mit +10%.

Schlagworte: 2016, Klima, Österreich, Winter
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https://www.wetterblog.at/wp-content/uploads/2016/02/Schröcken.png 672 1197 Manuel Kelemen http://www.wetterblog.at/wp-content/uploads/2016/12/Logo_HP_Header_key-1030x247.png Manuel Kelemen2016-02-28 12:34:252020-02-25 08:58:05Winter 2015/16: Silber!
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