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Päpstlicher Sanktus

Nun äußert sich also auch das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Franziskus, in seiner Enzyklika „Laudato si“ („Gelobt seist Du“) zum Klimawandel, welche am 18. Juni 2015 erschienen ist. Und ich für meinen Teil bin überrascht! Und zwar positiv …

Nicht, dass da jetzt irgendwelche neuen Erkenntnisse drinnen stehen würden. Nein, ich bin überrascht ob der Klarheit seiner Worte – noch im Vorfeld war spekuliert worden, dass Franziskus sich diplomatisch verhält und – um ja niemanden seiner Schäfchen (wie auch Mitarbeiter) zu verkraulen – mehr ein „es könnte sein, aber man weiß es nicht so genau“ von sich gibt. Aber nein, stattdessen sagt er klipp und klar:

Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; sie stellt einer der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar. […] Wir wissen, dass die Technologie, die auf der sehr umweltschädlichen Verbrennung von fossilem Kraftstoff – vor allem Kohle, aber auch von Erdöl und, in geringerem Maße, Gas – beruht, fortschreitend und unverzüglich ersetzt werden muss.

Papst Franziskus

Bild: Papst Franziskus findet überraschend klare Worte zum Klimawandel (Bild APA)

Bedenkt man, dass es auf dieser Welt noch immer bedenkliche Strömungen gibt, die den Klimawandel als „gottgewollt“ abtun bzw. diesen leugnen, ein wichtiger wie mutiger Schritt dieses Papstes – schon allein deshalb, weil er damit den Leugnern so ziemlich vor den Kopf stößt. So hat Marco Rubio, seines Zeichen Senator aus Florida, erst kürzlich dieses Statement von sich gegeben:

Marco Rubio

Marco Rubio (Foto: Wikipedia)


Ich glaube nicht, dass menschliche Aktivitäten diese dramatischen Veränderungen unseres Klimas verursachen, wie diese Wissenschafter es darstellen.1

 

 

 

Noch extremer sein Kollege aus Pennsylvania, Rick Santorum:

Rick Santorum

Rick Santorum (Foto: Wikipedia3)


[…] dass die Idee, die Produktion von CO2, ein Spurengas in der Atmosphäre – und der menschgemachte Teil dieses Spurengases ist wiederum ein Spurengas – sei irgendwie verantwortlich für den Klimawandel, ist, so denke ich, offensichtlich absurd, […].2

 

 

 

 

Abgesehen davon, dass Santorums Aussage nun wirklich völlig sinnentlernt ist, die beiden kandidieren für den Job des US-Präsidenten! Kein Schmäh! Sind aber zum Glück katholisch – der Papst pfuscht diesen Herren mit seiner Enzyklika also ordentlich rein ;)

Leute, man kann zu Kirche und Religion stehen wie man will. Schon im Vorfeld hab ich mir – im Freundeskreis, unter Kollegen wie auch in meiner Arbeit – anhören müssen/dürfen: „Wen interessiert, was die Kirche zu sagen hat?“ Faktum ist aber, dass es rund 1,2 Milliarden Katholiken auf dieser Welt gibt; in Afrika und Südamerika hat das Wort des Papstes nach wie vor noch Gewicht, in der übrigen Welt genießt das katholische Oberhaupt – allen voran Franziskus – zumindest noch ein gewisses Ansehen. Dahingehend, und weil sich diese Enzyklika nicht nur an Katholiken, sondern an alle Menschen „guten Willens“ richtet, erwarte ich mir – speziell für die Weltklimakonferenz in Paris im Dezember 2015 – einen ordentlichen Input im Kampf gegen den Klimawandel, denn, wie Franziskus folgerichtig anführt:

Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle.

Damit haben wir Meteorologen quasi den päpstlichen Sanktus erhalten ;)

PS: Freilich behandelt diese Enzyklika auch andere umwelt- und gesellschaftspolitische Themen wie auch Glaubensfragen, die ich allerdings nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit gelesen habe – diese Enzyklika besteht ja dann doch aus 200 Seiten, deshalb auch nicht kommentieren möchte bzw. kann …

Wer darin blättern will:

enzyklkia


Fußnoten:
1
CBS News-Interview vom 19.04.2015

2 Interview aus dem Jahre 2011
Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 3.0

 

Der erste Meilenstein

Auf in den Kampf!
Das Kyoto-Protokoll gilt als der wohl berühmteste Meilenstein der internationalen Klimapolitik; im Jahre 1997 wurden damit die ersten verbindlichen Ziele im Kampf gegen den Klimawandel gesetzt. Was aber kaum jemand weiß: Kyoto war nicht der Anfang, sondern das Ende einer recht langen Odyssee, die ihren Ausgangspunkt rund 9200 km vom japanischen Kyoto entfernt nimmt – im Österreich der 80er Jahre.
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