Winter 2018/19: Schneerekorde vs. Klimawandel

Rosinenpickerei
Es ist wie das Amen im Gebet: Punktet ein Monat mal nicht mit Wärmerekorden, kommen stante pede die Klimaleugner dieser Welt aus ihren Löchern gekrochen, um ihrer Profilneurose zu frönen. Wenn dann natürlich ein Jänner auch noch Schnee en masse bringt, schalten die Skeptiker überhaupt gleich in den Super-Pursuit-Mode und stellen gut und gerne mal – ganz in Trump-Manier – die gesamte Klimawissenschaft in Frage. Dass sich aber Schneereichtum und Klimawandel gar nicht widersprechen, und sich auch dieser Winter unter die wärmsten der österreichischen Messgeschichte reiht, wird gekonnt ignoriert. Sich das rauszupicken, was gerade passt, ist Paradebeispiel dafür, wie Klimaskeptizismus funktioniert. Eine Bilanz zum Winterende.

St. Gerold im Großen Walsertal in Vorarlberg am 15. Jänner 2019 (Bild: Thomas Rinderer)

Böser Schnee!
Was war da nicht alles in den Medien zu lesen bzw. hören: Vom “Schnee-Chaos” bis zur “weißen Hölle”, von Berichten über die armen Viecher im Wald, die ob des harten Winters massenweise das Zeitliche segnen (als ob es der erste schneereiche Winter in den Alpen gewesen wäre), bis hin zur physikalischen Unmöglichkeit, dass Schnee bei höheren Temperaturen immer schwerer wird (also eine tickende Zeitbombe ist) – man hat sich da punkto “Kreativität” regelrecht überschlagen. Diese Berichterstattung stand dabei im krassen Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung, insbesondere derer, die betroffen waren; der Aufschrei der Tourismusbranche ob dieser Negativkampagne spricht da Bände. Hätte man mit der gleichen Inbrunst den nie enden wollenden Sommer des letzten Jahres verteufelt, wäre in Sachen Klimaschutz wohl schon einiges weitergegangen.

Der Kampf um Quote
Diesem medialen Hochstilisieren des Schnees zum personifizierten Bösen folgten die üblichen Diskussionen: Wie bitteschön passt ein schneereicher Jänner nur ins Klimawandel-Korsett? Zur Analyse hat man sich auch bekennender Klimaskeptiker bedient, die einmal mehr ihren “Es-gibt-keinen-Klimawandel”-Schmäh loswerden konnten; mittlerweile nennen sich selbige auch schon “Tourismusforscher” oder tragen Titel irgendwelcher Pseudo-Institute. Dass sich dem viele Medien bereitwillig hingeben, hat kaum was mit Meinungsvielfalt zu tun; heute noch darüber zu diskutieren, ob es den Klimawandel gibt oder nicht, ist schlicht falsch verstandene Toleranz.

Viel in kurzer Zeit 
Doch sehen wir uns die Jänner-Schneemengen mal genauer an. Im Grunde beeindrucken nicht so sehr die Mengen an sich – schneereiche Jänner gibt es immer wieder, zuletzt 2012 -, sondern mehr der Zeitraum, in welchem der Großteil dieser Mengen gefallen ist.

Hochfilzen (Tirol) am 08.Jänner 2019 (Bild: Clemens Grohs)

In den ersten 15 Jännertagen haben sich zum Beispiel in Hochfilzen (T) 450 cm Neuschnee summiert – nur zum Vergleich: So viel Schnee gab es in Wien in den letzten 10 Wintern zusammen nicht! Der Wintersportort Seefeld (T) kam auf 283 cm in 15 Tagen, die Kaiserstadt Bad Ischl (OÖ) auf 152 cm – an der gesamten Alpennordseite sind da reihenweise Jänner-Neuschnee-Rekorde gepurzelt, oder wurden nur knapp verpasst, wie zum Beispiel in Zell am See (S) und Windischgarsten (OÖ). Mit Innsbruck (Flughafen) ist übrigens auch eine Landeshauptstadt unter den Rekordhaltern.

Neuschnee im Jänner
Ort Bundesland Neuschneesumme
Jänner 2019
Jänner-
Rekord
davon in 15 Tagen
(01.-15. Jänner)
Schröcken V 409 cm 515 cm (1986) 310 cm
Langen am Arlberg V 372 cm 414 cm (2012)
Seefeld T 361 cm Rekord 283 cm
Kufstein T 215 cm 230 cm (1968) 168 cm
Hochfilzen T 570 cm Rekord 451 cm
Innsbruck – Flgh T 101 cm Rekord
Rauris S 168 cm Rekord
Zell am See S 196 cm 198 cm (2004)
Bad Aussee ST 316 cm 338 cm (2012) 300 cm
Bad Ischl 190 cm Rekord 152 cm
Windischgarsten 200 cm 203 cm (2004) 148 cm
Gesamtschneehöhe im Jänner
Ort Bundesland max. Höhe Jänner-Rekord
Schröcken V 220 cm 1982
Langen am Arlberg V 210 cm 1968
Seefeld T 186 cm Rekord
Kufstein T 90 cm 1923
Reutte T 116 cm Rekord
Hochfilzen T 245 cm Rekord
Salzburg – Freisaal S 47 cm Rekord
Rauris S 84 cm 2006
Zell am See S 70 cm 1954
Bad Aussee ST 170 cm eingestellt
Bad Ischl 80 cm 1981
Windischgarsten 106 cm 1968

Lang und dick?
Trotz des vielen Neuschnees ist es aber nur den wenigsten Orten gelungen, auch den Jänner-Rekord in Sachen “dickste Schneedecke” zu knacken – das überrascht ein wenig, ist am Ende jedoch leicht zu erklären: Einerseits ist für die Gesamtschneehöhe auch die “Vorgeschichte” relevant, also ob und wie viel Schnee bereits vorab gelegen ist. Andererseits sind Neuschnee-Messungen noch relativ jung, die Messreihen vergleichsweise kurz, viele Rekorde lagen und liegen deshalb auch im 21. Jahrhundert (besonders sticht da das Jahr 2012 hervor). Beim Gesamtschnee hingegen sind die Messreihen häufig länger, viele Schneedecken-Rekorde auch dementsprechend alt (siehe Tabelle) – jener aus Kufstein datiert zum Beispiel aus der Zwischenkriegszeit (1924). Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Seefeld (186 cm), Reutte (116 cm), Hochfilzen (245 cm) und Salzburg-Stadt (47 cm) waren so gut bestückt, wie seit jeweiligem Messbeginn im Jänner noch nie. Und der Neuschnee-Rekord in Innsbruck (Flughafen) resultierte immerhin in der höchsten Jänner-Schneedecke dieses Jahrhunderts.

Bergblick
Nicht ganz so einfach ist die Analyse der Schneehöhen auf unseren Bergen selbst, also in den Gipfelregionen. Hier stellt die Niederschlagsmessung per se schon mal ein gewisses Problem dar, beim Schnee ist es noch viel schwieriger: Aufgrund der starken Windverfrachtung waren sowohl schneefreie Bergrücken, als auch meterhohe Schneeverwehungen anzutreffen. Dass der Wind oben meist Spielverderber ist, zeigt sich ganz gut am Beispiel der wichtigsten uns zur Verfügung stehenden Wetterstation am Hohen Sonnblick in Salzburg, auf 3109 Meter: Bei einer Neuschneesumme von 463 cm (Rekord: 541 cm / 2012) lag die maximale Gesamtschneehöhe im Jänner gerade mal bei 2,40 Meter – Ende Dezember waren wir hier noch auf 1,63 Meter.

Neuschnee im Jänner
Ort Bundesland,
Höhe
Neuschneesumme
Jänner 2019
Gesamtschnee
Jänner 2019
Rudolfshütte S /2317 m 466 cm 360 cm
Sonnblick S / 3109 m 463 cm 240 cm
Feuerkogel OÖ / 1618 m 276 cm 258 cm

Lob und Tadel
Unterm Strich aber war dieser Jänner an der gesamten Alpennordseite oben wie unten enorm schneereich; führt man sich nochmals den Zeitraum vor Augen (15 Tage!), ist verständlich, dass da eine jede Infrastruktur auf die Probe gestellt wird und Einsatzkräfte gefordert sind – das verdient Lob und Anerkennung. Die über Wochen medial-forcierte Katastrophenstimmung war aber verzichtbar, und entbehrte nur allzu oft jedweder Grundlage. Doch: Wie lassen sich nun Schneereichtum und Klimawandel in Einklang bringen?

Ungemein schneereich auch der Salzburger Pinzgau, hier Hinterthal am Hochkönig, aufgenommen am 05. Feber 2019 (Bild: Clemens Grohs)

Wenn was Usus wird
Ein niederschlagsreicher Monat an sich ist weder Indiz für den Klimawandel, noch dagegen. Genauso wie eine Hitzewelle im Sommer an sich kein Drama ist – derartige Extremereignisse, egal ob punkto Temperatur, Wind oder Niederschlag, kommen vor, wobei ein Ereignis umso “extremer” ist, je weiter es von der “Norm” (also vom Gewohnten) abweicht. Erst wenn sich solche Ereignisse häufen, wird es interessant, denn dann droht aus einem “Extrem” das neues “Normal” zu werden – es findet also sinnbildlich ein Wandel statt. Bei Hitzewellen zum Beispiel ist der Trend eindeutig: Sie werden nicht nur häufiger, sondern dauern auch gleich mal ein paar Wochen (was im 20. Jahrhundert noch unvorstellbar gewesen wäre).  Und genau hier muss man auch ansetzen, um zu verstehen, warum sich das eine (viel Schnee) mit dem anderen (Klimawandel) nicht zwingend widerspricht: Großwetterlagen halten (einmal etabliert) länger an, werden persistenter.

Kampf der Giganten
Doch wie entstehen Großwetterlagen? Hier ist der Temperaturgegensatz zwischen kalter Arktis und warmen Subtropen entscheidend – mal hat die Arktis das Sagen (man denke an Kältewellen), mal die Subtropen (prominentestes Beispiel: das Azorenhoch), oft aber halten sich beide in Waage, das Wetter gibt sich der jeweiligen Jahreszeit entsprechend gemäßigt (deshalb spricht man auch von “Gemäßigten Breiten”).

Bodendruckanalyse vom 02. Jänner 2019. Wir sehen eine typische Nordstaulage, das Hoch über Westeuropa war über Wochen hinweg stationär, Frontausläufer brachten an der Alpennordseite starke Schneefälle (Bild: ZAMG)

Aufgrund des Klimawandels erwärmt sich nun die Arktis aber überproportional schnell (mehr als im globalen Mittel), was wiederum Auswirkungen auf dieses Kräftemessen hat: Die Arktis zieht dabei immer öfter den Kürzeren, der subtropische Einfluss dominiert, es ändern sich globale Zirkulationsmuster. Das wiederum hat Auswirkungen auf unser Wetter, festgefahrene (“blockierende”) Wetterlagen nehmen zu. Im Falle des letzten Sommers zum Beispiel ist der atlantische Einfluss komplett zum Erliegen gekommen, mit der Folge, dass wir a) kaum Regentage hatten (und in Oberösterreich eine Dürre historischen Ausmaßes die Folge war) und b) der Sommer zum längsten der Messgeschichte wurde (siehe Sommer 2018 – Endlich ein Ende!). Jetzt im Jänner hingegen hat sich etwas etabliert, das wir Meteorologen als “Nordwestlage” bezeichnen.

Großwetterlagenklimatologie
Bei solchen Lagen kommt die Luft aus Nord bzw. Nordwest und damit direkt von der Nord-, im seltenen Fall auch von der Ostsee, und ist damit kalt, aber auch feucht (im Gegensatz zu Westlagen, die zwar auch feuchte, aber milde Luft bringen oder Ostlagen mit kalter und trockener Luft). In Österreich treffen diese Luftmassen auf eine Barriere – die Alpen – und sind dadurch gezwungen, sich auszuschneien bzw. -regnen (man kann sich das sinnbildlich als Stau vorstellen, deshalb wird im Wetterbericht häufig auch von “Nordstau” gesprochen). Solche Nordwestlagen sind an und für sich nicht ungewöhnlich, sie gelten im Winter gemeinhin als Schneebringer für die Alpennordseite, während der Süden dabei oftmals das Nachsehen hat (so auch heuer).

Niederschlagsabweichung Winter 2018/19 in Prozent. Die gesamte Alpennordseite bilanziert nass, die Südoststeiermark hingegen deutlich zu trocken (Bild: ZAMG / Spartacus)

Et voila
Wenn aber Nordstaulagen per se schon Schneebringer sind, dann kann man sich leicht die Folgen ausmalen, wenn wir aus einer solchen quasi nicht mehr rauskommen – und nichts anderes ist heuer passiert. Die Wetterlage war über Wochen hinweg wie festgefahren, was im Dezember noch häufig mit Regen begonnen hat (man denke an Weihnachten), mündete in Neuschnee-Rekorden im Jänner und reicht aus, diesen Winter an der gesamten Alpennordseite zu einen der nassesten der Geschichte zu machen, mancherorts überhaupt zum nassesten – etwa in Reutte (T) und Kufstein (T).

Niederschlagsrekorde
Ort Bundesland NS-Summe
(gesamter Winter)
Abweichung  Platzierung 
Reutte T 434 mm +82 % Rekord
Kufstein T 545 mm +127 % Rekord *
Zell am See S 409 mm +121 % 2. Platz
Bischofshofen S 360 mm +121 % Rekord

* In der Datenreihe von Kufstein scheint der Winter 1945/56 mit 694 mm auf. Da dieser hohe Wert nicht zu erklären ist, handelt es sich hierbei wahrscheinlich um einen Daten- oder Messfehler. 

Auflösung des Widerspruchs
Die Jänner-Schneefälle sind damit als Extremereignis einzustufen, das zwar für sich gesehen keinesfalls pauschal dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben ist, im Kontext der Änderung von Großwetterlagen und der daraus resultierenden Zunahme von extremen Ereignissen (egal welchen Parameters) sehr wohl aber in den Trend passt. So ist eine groß angelegte Untersuchung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik im Jahre 2015 zu dem Schluss gekommen, dass

Klimamodelle in den nächsten Jahrzehnten für Herbst und Winter eine Zunahme von (Nord-)Westwetterlagen erwarten lassen, die vor allem an der Nord- und Westseite der Alpen vermehrt zu Starkniederschlägen führen können.
PROJEKT WETRAX, Großflächige Starkniederschläge im Klimawandel,ZAMG, 2015

Stellenprofil: Klimaleugner
Nicht alles, was im ersten Moment also gegensätzlich scheint, muss auch tatsächlich ein Widerspruch sein. Doch genau hier hakt der moderne Klimaleugner ein: Er weiß diese Widersprüchlichkeit perfekt auszunützen, pickt sich raus, was in das eigene Konzept passt (in unserem Fall viel Schnee auf den Bergen), und bastelt drum herum eine schön klingende Geschichte (viel Schnee auf den Bergen muss bedeuten, dass es kalt war, was wiederum ausschließt dass es wärmer wird, ergo kann es keinen Klimawandel geben). Alles andere wird ausgeklammert oder gar abgestritten – wie zum Beispiel auch der Umstand, dass die Winter immer wärmer werden. Der heurige macht da keine Ausnahme.

Maues Flachland
Verlassen wir nämlich das schneereiche Bergland, so zeichnet sich für das Flachland ein eher maues Bild: Mit Ausnahme von Innsbruck, Salzburg und Bregenz war Schnee in allen anderen Landeshauptstädten Mangelware. In Graz ist das eklatante Minus (-66%) auf den fehlenden Niederschlag zurückzuführen (die steirische Landeshauptstadt hat den trockensten Winter seit 44 Jahren hinter sich), in allen anderen Hauptstädten war es aber für Schnee schlicht zu warm: In Wien zum Beispiel brachte dieser Winter zwar 2/3 mehr Niederschlag (+ 67 %), aber gleichzeitig 1/3 weniger Schnee (- 33%).

Neuschneemengen Landeshauptstädte
Ort Winter 2018/19 Abweichung [%]
Wien – Hohe Warte 35 cm -33 %
St. Pölten 33 cm -30 %
Eisenstadt 21 cm -40 %
Linz 39 cm -20 %
Salzburg – Freisaal 129 cm +45 %
Innsbruck – Uni 113 cm +55 %
Bregenz 100 cm +56 %
Klagenfurt 24 cm -53 %
Graz – Uni 14 cm -66 %

Fake News
Somit kann von einem (medial forcierten) “Jahrhundertwinter” keine Rede sein, denn die Härte eines Winters definiert sich nicht über die Schneemengen (die, wie wir gesehen haben, im Bergland durchaus Respekt verdienen), sondern einzig und allein über die Temperatur. Am Beispiel der sogenannten Eistage, also jener Tage, die ganztags frostig bleiben, wird dieser Umstand besonders deutlich: Selbst in den schneereichen Landeshauptstädten Bregenz, Innsbruck und Salzburg brachte dieser Winter kaum kalte Tage, Graz schlittert mit einem einzigen knapp am Totalausfall vorbei.

Eistage
Ort 2018/19 Abweichung [%]
Wien – Hohe Warte 6 -70 %
St. Pölten 12 -65 %
Eisenstadt 6 -72 %
Linz 8 -60 %
Salzburg – Freisaal 8 -50 %
Innsbruck – Uni 7 -46 %
Bregenz 2 -87 %
Klagenfurt 13 -55 %
Graz – Uni 1 -94 %

Schlussrechnung
Da kann auch der Umstand, dass der Jänner zumindest auf unseren Bergen kalt, genaugenommen sogar der kälteste seit 32 Jahren (1987) war, die Gesamtbilanz lediglich kaschieren; der Wärmeüberschuss seiner Kollegen Dezember und Februar ist da einfach viel zu hoch, beide gelten als einer der wärmsten Vertreter ihrer Zunft. Unter’m Strich bleibt somit auch diesem Winter ein deutliches Plus, mit dem er locker in die Top-20 der 251-jährigen Messgeschichte Österreichs einzieht (voraussichtlich Platz 16).

Winter im Vergleich
2018/19 2017/18 2006/07 2015/16 2013/14
letzter Winter wärmster Winter 2-wärmster Winter 3-wärmster Winter
Dezember +1,7° +0,5° +2,4° +4,5° +2,2°
Jänner -0,5° +3,5° +4,3° +1,3° +2,9°
Feber +3,2° -2,7° +3,7° +3,6° +2,9°
Winter +1,4°
+0,6° +3,5° +3,1° +2,7°

Abweichungen nach Spartacus (ZAMG)

Temperaturabweichung der Winter in Österreich, der Trend ist eindeutig: Es wird wärmer. Bild: Histalp / ZAMG Hinweis: Der Winter 2018/19 ist noch nicht enthalten, das Bild wird bei Vorliegen ausgewechselt.

Conclusio
Der Trend zu immer milderen Wintern ist damit ungebrochen: Seit einem halben Jahrhundert hat es kein einziger Winter mehr unter die 50 kältesten geschafft (zuletzt ist das dem Winter 1962/63 geglückt), die wärmsten sind hingegen allesamt im 21. Jahrhundert zu finden. Der heurige Jänner mag zwar mit Schnee gepunktet haben, aber nur ein Ignorant würde deshalb den Klimawandel anzweifeln. Und nur quotengeile Medien würden auf diesen Zug aufspringen.

PS: Vom Schneereichtum im Jänner konnten übrigens auch die höher gelegenen Regionen des Mühl- und Waldviertels profitieren: So ist zum Beispiel auch dem Luftkurort Litschau (NÖ) mit 140 cm ein Jänner-Neuschneerekord gelungen.

PPS: Ich darf mich wie immer bei meinem Haus- und Hofklimatologen Alexander Orlik für die Geduld mit mir bedanken, ohne dessen Hilfe meine Rückblicke wohl sehr datenlos wären. Auch meinen Kollegen Thomas Kumpfmüller, Thomas Rinderer und Clemens Grohs danke ich wie immer für den Input und regen Informationsaustausch. Und jedem einzelnen von euch für’s Lesen. :)

9 Kommentare
  1. Günter wohlfahrt
    Günter wohlfahrt sagte:

    Schlussfolgerung zu meinem letzten Beitrag !
    Betrachtet man die Wetterstation Hohenau im Weinviertel isoliert ,dann zeigen sich die Monate von März bis September der letzten 7 Jahre als wirklich “stabile” (90% zu warm) Monate als gegenüber der 4 Monate im Herbst – Winter (nur durchschnittlich ca. 60% zu warm). Der Winter (4 Monate) neigt meiner Ansicht nach zu mehr Zufallsergebnissen (kalt oder warm) weil entweder der kalte Arktische Raum oder der milde Atlantik und auch der Südwestföhn die Oberhand nördlich der Alpen gewinnt ! Dagegen in den Monaten März bis September entweder sich das Sommerhoch (Sommerhitze) oder der milde Atlantik sich durchsetzt !! Wenn dann noch Italientiefs südlich der Alpen hängen bleiben (verhungern sagt man bei uns) dann spüren wir im Weinviertel nur den trockenen warmen Föhn oder maximal den unergiebigen Regen !!! Überhaupt habe ich den Eindruck das markantes niederschlagsreiches Wetter momentan nur in der Nähe der Alpen stattfindet (hebe und Stauwirkung der Luftmassendynamik durch hohe Berge) ! Momentan herrscht im nördlichen Weinviertel, Burgenland und der Südoststeiermark (Graz) extreme Trockenheit !!!
    Hoffentlich kommt bald ein klassisches Italientief das ganz Österreich ergiebigen Regen bringt !!
    Die Hoffnung stirbt für die Landwirtschaft spätestens ende Mai ! Nachher kommt er für das Getreide zu spät ! Wie 2018 im pannonischem Osten !!

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    • Manuel Kelemen
      Manuel Kelemen sagte:

      Lieber Günther,
      du hast vollkommen recht, die Variabilität der Wintermonate ist naturgemäß höher als die der Sommermonate. Dies spiegelt sich auch in der Schwankungsbreite der Temperaturabweichungen wider, im Winter beträgt diese (im Österreich-Mittel) +/- 0,8 K, im Sommer +/- 1,2 K. Warme Winter an sich sind im Grunde kein großes Drama – hat es immer gegeben. Nur häufen sich selbige in alarmierendem Ausmaß, die wärmsten fallen allesamt ins 21. Jahrhundert.
      Im Sommer werden Hitzewellen nicht nur häufiger, sondern dauern auch länger an. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Verdunstung und damit Bodenfeuchte bzw. in Folge Grundwasser – nicht umsonst gibt es den Spruch “Dürre ist der Hitze Schwester”. Hinzu kommt, dass viele Medien – allzu oft leider auch der öffentliche Rundfunk – so tun, als müsse es im Sommer 30 Grad und durchgehend Sonnenschein haben, Regenwetter wird verteufelt. Ein Umstand, auf den ich sehr oft hinweise.
      Unser Klima ist im Wandel. Noch hätten wir es in der Hand, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Doch die Bereitschaft hierfür ist nach wie vor nicht gegeben – weder national, noch international.
      Vielen Dank für deinen Beitrag!
      SG Manuel

      Antworten
  2. Wohlfahrt Günter
    Wohlfahrt Günter sagte:

    Habe die Wetterstation Hohenau im Weinviertel der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik genauer ausgewertet.
    Habe die letzten 11 Jahre genauer analysiert.
    Von den letzten 132 Monaten waren 24 Monate zu kalt (kälter als die 30 jährige Durchschnittliche Monatsmitteltemperatur) aber davon 12 Monate allein in den Jahren
    2009,2010 und 2011. Und 12 Monate in den restlichen ab 2012 -März 2019!
    Die einzelnen Monate im Detail .
    3 von 10 Jänner zu kalt
    4 von 10 Februar zu kalt
    1 von 10 März, April, Mai, Juni, Juli und August, zu kalt
    2 von 10 September zu kalt
    5 von 10 Oktober zu kalt
    1 von 10 November zu kalt und
    3 von 10 Dezember zu kalt !
    Dieser Trend von März bis September (fast 90% zu warme Monate) wird sich mit hoher Warscheinlichkeit weiter bestätigen ! Oktober – Dezember -Jänner -Februar (fast 40% zu kalt) sind
    noch die verlässlichsten Monate für ein bisschen “Abkühlung” in der Jahresdurchschnittstemperatur !!! Aber wie lange noch???

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