Warm, wärmer, 2014

So gut wie fix
Welch Überraschung: Auch der Oktober 2014 geht als zu warmer Monat in die Klimageschichte ein – ohne Kaltlufteinbruch im letzten Monatsdrittel wäre sich sogar ein Stockerlplatz ausgegangen. So hingegen reicht’s zwar nur für Platz 7 der wärmsten Oktober ever, damit lässt sich aber jetzt schon sagen: 2014 wird das wärmste Jahr der österreichischen Messgeschichte!

Kompensationen
„Moment mal“, werden jetzt einige denken, „aber der Sommer war doch …“ – wagt es ja nicht, es auch nur anzudeuten! Zum x-ten Mal: Österreich ist nicht Spanien! Das bissl, was der August (und zwar nur der August!) im Sommer zu kühl war, wird vom durch die Bank extrem warmen Winter mehr als kompensiert. Und der durchaus warme Oktober tut hierfür noch sein übriges.

Temperaturabweichungen in Österreich 2014

Das Jahr 2014 war in Österreich (fast) durchgehend zu warm! Monatsabweichungen der Mitteltemperatur und Platzierung in der Messgeschichte (Jänner und Feber Messbeginn 1768, sonst 1767; Daten: ZAMG, Graphik: ATV)

Normal ist nicht genug
Die wärmsten Jahre in Österreich bisher waren übrigens 1994 (Abweichung +1,2°), gefolgt von 2007 (Abweichung +1,1°). Wir halten derzeit (Stand Ende Oktober) bei einer Abweichung von +1,44° – im Vergleichszentraum (Jänner bis Oktober) 1994 waren es +0,94°. Wir sehen also: November und Dezember müssen heuer schon exorbitant kalt ausfallen, damit sich an dieser Jahresstatistik noch was ändert! Auch wenn ich kein Freund von Saisonprognosen bin, so sei schon mal verraten: die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert liegt bei nur 15% – ist also nicht auszuschließen, aber doch unwahrscheinlich. Und bloß ein „normaler“ Winter – der uns dann ob des letzten eh schon kalt genug vorkommen wird – kann dieses Blatt nicht mehr wenden.

Globale Rekorde
Was tut sich global? Da weltweite Analysen naturgemäß länger brauchen, liegen die Oktober-Daten noch nicht vor. Wohl aber die des Septembers – und die haben es in sich! Man muss wissen, dass man bei der globalen Temperaturanalyse nicht nur die Landoberfläche hernimmt, sondern auch die Meeresoberfläche. Die Kombi der beiden ergibt dann die globale Mitteltemperatur – und da hat der September 2014 einen neuen Rekordwert gebracht. Genauso wie übrigens auch August, Juni und Mai!

Temperaturabweichungen global 2014

Das Jahr 2014 brachte global neue Rekorde! Monatsabweichungen der globalen Mitteltemperatur sowie Platzierung in der Messgeschichte (seit 1880; Daten: NOAA, Graphik: ATV)

So warm wie nie
Weitaus interessanter – wenn nicht gar alarmierender – ist aber folgender Umstand: Entkoppelt man Land- und Meeresoberflächentemperatur und betrachtet nur die Meeresoberfläche, dann kommt der September 2014 mit einer Abweichung von +0,66° nicht nur auf einen Rekordwert, sondern auf die höchste Abweichung überhaupt. Sprich: In keinem anderen Monat der Messgeschichte – auch in keinem Sommermonat – war die Meeresoberflächentemperatur je so warm wie im heurigen September!

Augen auf!
Wir stehen also nicht nur national, sondern auch global vor dem wärmsten Jahr der Messgeschichte. Seid demnach nicht überrascht, wenn zum Jahresende diesbezüglich auch die Medien aufspringen. Selbstredend kann sich zwar gerade global noch was tun, ein Zeichen eines sich ändernden Klimas bleibt es aber allemal. Bloß wird es von vielen nicht wahrgenommen.

PS: In Österreich erfolgen Temperaturanalysen vom staatlichen Wetterdienst, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) – dessen Haus- und Hofklimatologen Alexander Orlik sei an dieser Stelle explizit gedankt! Globale Daten stammen vom Nationalen Wetterdienst der Vereinigten Staaten (National Ozeanic and Atmospheric Administration, NOAA) und sind über deren Homepage öffentlich zugänglich (www.noaa.gov).

Dank an Bahar Naghibi (ATV)

 

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