Gefährliche Schönheit

Anfang Dezember sorgten Raureif und gefrierendes Nieseln in Ostösterreich für ein Naturschauspiel der besonderen Art: schön, bizarr und gefährlich.


Rezept 
Für Raureif braucht es 2 Zutaten: Nebel und Minusgrade. Nebel besteht nämlich aus feinsten Wassertröpfchen (Durchmesser kleiner 0,12mm), die bei Temperaturen < 0° an festen Gegenständen (Bäume, Straßenschilder, etc.) gefrieren – so wie es Wasser halt für gewöhnlich tut. Allerdings nicht zu festem Eis, sondern zu kristallinen, lockeren Ablagerungen, die stets gegen den (meist schwachen) Wind anwachsen und wie Schnee aussehen.

Gefährliche Zutat
Woher kommt aber die Gefährlichkeit? Nun, Raureif allein tut meist niemanden weh, aber in diesem Fall ist auch noch gefrierendes Nieseln hinzugekommen! Das entsteht, wenn es in Bodennähe zwar frostig ist, in der Höhe allerdings warm – anfänglicher Schnee schmilzt in dieser Höhenwarmluft zu Regen, der wiederum in die kalte Bodenluft fällt und beim Aufkommen an Gegenständen gefriert. Auf den Straßen führt das zu Glatteis, auf festen Gegenständen zu einer Eisschicht. Da in diesem Fall bereits Raureif vorhanden war, ist die Folge klar: Ein regelrechter Eispanzer entsteht – der so schwer werden kann, dass beispielsweise Bäume wie Zünder brechen (Eisbruch).

Nicht verwechseln!
Vom Raureif unterscheidet man in der Meteorologie übrigens folgende Begriffe, die alle irgendwie zusammenhängen:

  • Reif: Reif entsteht, wenn sich die Erdoberfläche aufgrund nächtlicher Abkühlung stark abkühlt – dadurch kondensiert der in der Luft enthaltene Wasserdampf. Im Sommer entsteht Tau, im Winter Reif (also gefrorener Tau). Anders als beim Raureif, bei dem Wasser gefriert (Wechsel von der flüssigen in die feste Phase), ensteht also Reif durch Sublimation1 (Wechsel von der gasförmigen in die feste Phase).
  • Raueis: Raueis hat ähnliche Ursachen wie Raureif, nur benötigt man hierfür stärkeren Wind. Da dadurch Luftbläschen mit “eingefroren” werden (aufgrund der Turbulenz), geht die kristalline, lockere Struktur (wie sie Raureif hat) verloren – es entsteht eine schwammartige, feste Eisschicht. Dieses Phänomen kennt man eher im Gebirge oder in den Polargebieten.

Blitzeis” ist übrigens ein Begriff, den es in der Meteorologie nicht gibt! Es ist eine Erfindung der Medien, wahrscheinlich weil der Ausdruck “gefrierender Regen” zu fad klingt …

(Bilderquelle: einsatzdoku.at)


1 Genaugenommen ist es eine Resublimation. Denn Sublimation ist der Übergang von fest zu gasförmig.

 

 

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