Sommer-Aus?

Tötet nicht den Boten!
Für den einen hat der Sommer heuer noch nicht mal begonnen, für den anderen dauert er schon zu lange. Somit eine mögliche Hiobs- oder Freudenbotschaft an alle: Dem Sommer 2014 droht ein vorzeitiges Aus!

Fakten
Man kann dem Sommer ja vorwerfen was man will, aber kalt war er bisher definitiv nicht. Zugegeben, auch nicht heiß. Aber, wie ich immer zu sagen pflege: Österreich ist nicht Spanien! Hitzefans sind die letzten Jahre einfach nur verwöhnt worden. Im Großen und Ganzen verläuft der Sommer temperatur-technisch eher normal.

Temperaturabweichung Juli 2014

Der Juli war temperaturmäßig vollkommen in Ordnung, Temperaturabweichung bezogen auf das Mittel 81-10 (Karte: ZAMG)

Unnötige Jammerei
Da hilft auch das Jammern der Wiener Bäder nichts. Lulu-Meldungen wie „Bis zu -50% Badegäste in Wien“ geistern ja grad durch die Medien. Ist ja absurd zu glauben, dass es jedes Jahr einen neuen Besucherrekord geben muss, oder? Ich mein der Juli 2014 hat es gewagt, nur auf Platz 23 in der Badegästerekordstatistik zu landen – und die wird seit 1945 geführt. Sollen sie froh sein, dass net aufn letzten Platz gerutscht sind!

Fehlende Stabilität
Aber zurück zum Wetter. Für gewöhnlich ist es bei uns im Sommer mal heiß, mal kühler, mal sonniger, mal nasser – stabilere Schönwetterphasen wechseln mit Regentagen. Heuer aber war die Wetterlage wie festgefahren: Es war durchgehend warm (ja, liebe Leute, einen wirklichen Kaltlufteinbruch gab es heuer nicht!), phasenweise mal ein bisschen heißer, vor allem schwül und dadurch praktisch jeden Tag irgendwo in Österreich nass – mal öfter im Westen, mal im Osten.

Bodenwetterkarte vom 21.Juli 2014

Bodendruckkarte vom 21. Juli 2014, die ganz gut die bisher vorherrschende Großwetterlage zeigt: Über Nordeuropa ein stabiles Hoch, im Südwesten das Azorenhoch. In Mitteleuropa ständiger Durchzug von Höhentiefs. (Karte: ZAMG)

Heißer Norden
Zu verdanken haben wir das der Großwetterlage, die seit Ende Juni mehr oder weniger durchgehend persistent (stabil) blieb: Im Südwesten Europas das Azorenhoch, welches kaum Anstalten machte, Richtung Mitteleuropa vorzudringen. Ein zweites Hoch im Norden (über Skandinavien), das Nordeuropa einen der wärmsten (wenn nicht den wärmsten) Sommer der Aufzeichnungsgeschichte bescheren wird: Reihenweise sind in den letzten Wochen Temperaturrekorde gepurzelt, phasenweise war es an der Ostseeküste wärmer als am Mittelmeer! In Norwegen beispielsweise lag die Mitteltemperatur im Juli um unglaubliche 4,3 Grad über dem langjährigen Mittel, an 33 Messstationen wurden Tropennächte registriert – in Norwegen!

Blöd erwischt
Wir hingegen lagen durchgehend zwischen diesen Hochs, ständig im Einflussbereich unterschiedlicher (Höhen-)Tiefs, die zwar für wechselhaftes Sommerwetter sorgten, aber eines nie brachten: einen Luftmassenwechsel. Wir stecken also seit rund 7 Wochen in der (mehr oder weniger) selben Luftmasse – die zwar warm ist, aber immer feuchter wurde. Das Lustige dabei: Die Siebenschläfer-Regel („Wie das Wetter am Siebenschläfertag, sieben Wochen bleiben mag“) passt heuer wie die Faust auf’s Auge!

Die Bertha macht’s
Nun kommt nicht nur dieser Luftmassenwechsel, sondern gleich eine komplette Umstellung der europäischen Großwetterlage. Und zwar kommende Woche! Das Hoch im Norden vertschüsst sich, das Azorenhoch war für uns heuer sowieso irrelevant, und nun greift ein Ex-Hurrikan in unser Wetter ein: die Bertha.

Curriculum Vitae
Berthas Geburtsstunde war Anfang dieser Woche nordöstlich der Bahamas. Sie gilt als 2ter atlantischer Hurrikan der heurigen Saison, war aber medial nie präsent, da er/sie/es nie auf Land getroffen ist. Bertha hat nun Kurs auf Europa genommen – keine Angst! Das Teil hat längst seine Kraft eingebüßt – wird aber Europas Wetter als Tiefdruckgebiet aufmischen. Btw: Hurrikan-Reste schaffen es immer wieder mal nach Europa, ist also nichts Außergewöhnliches!

Zugbahn von Ex-Hurrikan Bertha

Die Zugbahn von nun mehr Ex-Hurrikan Bertha, Karte vom 06.08.2014 (Karte: NOAA)

Wetterumstellung
Sehr wohl ungewöhnlich ist aber, dass diese Bertha bei uns eine sogenannte Westwetterlage einleitet. Solche Wetterlagen sind eher typisch für den Spätherbst oder Winter: In rascher Abfolge wandern dabei atlantische Tiefs über Nordeuropa, deren Ausläufer auch immer wieder Mitteleuropa treffen. Während das im Winter eher mildes Wetter bedeutet, sorgt eine solche Lage im Sommer für eher kühle Tage.

War’s das?
Und genau eine solche Lage steht uns ab kommender Woche bevor. Wie lange sie dauert, ist noch ungewiss – es sieht aber nicht danach aus, dass die Sache nur eine Eintagsfliege wird. Hitzewelle wird’s demnach so schnell keine mehr geben – und damit ist zumindest der Hochsommer wohl Geschichte. Für alle Sommerliebhaber heißt es also hoffen, dass zumindest noch ein Spätsommer einsetzt.

PS: Wird’s auch mit dem Spätsommer nichts, bleibt als letzte Chance noch der Altweibersommer. Den hat’s praktisch noch in jedem Jahr gegeben :)

Dank an Thomas Kumpfmüller (AustroControl)

 

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