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Österreichische BP-Wahl 2016

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Doch wie sehen das die Bundespräsidentschaftskandidaten?

Die FPÖ und der Klimawandel

Die FPÖ weiß es besser!
Barack Obama hat es getan, Papst Franziskus hat es getan, Angela Merkel tut es schon länger: Den Klimawandel als reales Problem anzuerkennen. Nicht so die Umweltsprecherin der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Susanne Winter: Diese sieht im Klimawandel ein „Lügengebäude“, wie sie erst kürzlich im österreichischen Parlament von sich gab.

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Rot-weiß-roter Klimawandel

Falsch gedacht
Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass Klimawandel stattfindet und dass der Treibhauseffekt nicht nur irgendeine Verschwörungstheorie verrückter Wissenschafter ist. Gut so! Erschreckend ist aber, dass viele Menschen hierzulande noch immer glauben, das Problem wäre nicht unseres. Ein gewaltiger Irrtum!

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Der Klimawandel – ein Mythos?

Verräter!
Als sich kürzlich ein von mir geschätzter Kollege sehr skeptisch über den Klimawandel geäußert hat, war ich ein wenig überrascht. Wie kann ein Meteorologe das Faktum Klimawandel in Frage stellen? Verräter! Bei genauerem Nachfragen hat sich herausgestellt, dass er nicht den Klimawandel per se in Frage stellt – sondern den Umstand, ob der Mensch daran Schuld sei. Gehen wir also der Sache nach …

Verständnisfrage
Um zu verstehen, was mit „Klimawandel“ überhaupt gemeint ist, muss man ein wenig tiefer in die Materie eintauchen. Allzu gern werden Einzelereignisse mit dem Klimawandel gleichgesetzt – sei es der erste 40er im Sommer 2013 oder die Schneemassen im Süden vom Winter 2013/14. Beides ist jedoch als Extremereignis zu sehen – sowas kann und wird auch in Zukunft vorkommen. Erst wenn sich solche Extremereignisse häufen – oder gar Usus werden – wird’s kritisch. Dann dann wird nämlich aus extrem, normal …

Heiß bleibt heiß
Bleiben wir kurz beim Beispiel der 40 Grad vom vorletzten Sommer. Erstmals in Österreich wurde diese magische Marke am 08. August 2013 geknackt. Erstmals, demnach keine Häufung, demnach kein Klimawandel? Diese Argumentation wäre zu einfach. Denn es ist vollkommen wurscht, ob es 40 Grad oder nur 38 Grad sind! Beides ist heiß – nur klingt halt 40 Grad besser.

Wann wird’s mal wieder richtig Sommer …
Es ist fast schon traurig, dass mittlerweile selbst der größte Hitzehasser einen „normalen“ Sommer als zu kühl empfinden würde. Zu sehr wurden wir in den vergangen Jahren darauf getrimmt, dass es im Sommer 30 Grad und mehr haben muss. Und leider spielen oft sogar wir Meteorologen da mit. Aber Blödsinn Leute! 30 Grad waren bisher in Mitteleuropa eher die Ausnahme, denn die Regel. Ein Beispiel: Mit einer mittleren Höchsttemperatur von 25 Grad zählt Eisenstadt im Sommer als wärmste Landeshauptstadt Österreichs. Klar ist es mal kühler, mal wärmer – im Mittel sind’s aber 25 Grad, nicht mehr! Dass es im Sommer auch im Burgenland mal heiß wird, also der 30er geknackt wird, ist logo. Im Schnitt passiert das an 12 Tagen im Sommer. 2013 waren es 26 (+116%). 2012 31 (+158%). Im Horror-Sommer 2003 gar 36 heiße Tage (+200%)! Wir sehen also: Die Anzahl der heißen Tage hat sich drastisch erhöht. Und spätestens jetzt erkennen wir dann doch eine Regelmäßigkeit: nämlich die der heißen Sommer.

Denke global
Vielleicht ist es ja Zufall, dass bei uns die Sommer heißer werden. Also schauen wir kurz, was sich global tut. Und siehe da: In den 2000er Jahren wurden 9 der 10 global wärmsten Jahre (nicht nur Sommer!) seit Aufzeichnungsbeginn registriert! Jedes der letzten drei Jahrzehnte war sukzessive wärmer als alle vorangegangenen seit 1850. Es geht noch weiter: Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft war die Periode 1983-2012 auf der Nordhalbkugel gar die wärmste 30-Jahr-Periode der letzten 1400 Jahre! Ein Wahnsinn, oder? Wir sehen also: Es wird wärmer. Was sich lokal bei uns in Österreich abspielt, ist ein globaler Trend. Willkommen im Klimawandel!

Top 10 der wärmsten Jahre weltweit

Top 10 der global wärmsten Jahre (Daten: NOAA, Graphik: wetterblog.at)

Noch Fragen?
Erstaunlich präzise äußert sich diesbezüglich auch der neue Weltklima-Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) der Vereinten Nationen:

Warming of the climate system is unequivocal, and since the 1950s, many of the observed changes are unprecedented over decades to millenia.
(Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig, und viele dieser seit den 1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden noch nie aufgetreten.)

Grundaussage des Weltklima-Berichtes 2013

Eine der Grundaussagen des Weltklima-Berichts der Vereinten Nationen (gekürzt); erschienen im November 2013 (Graphik: ATV)

Eine, wie ich finde, sehr prägnante Aussage. Ohne viel blabla wird gleich mal zu Beginn des rund 2000 Seiten fassenden Berichts eins klar gestellt: Klimawandel findet statt! Rufzeichen. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber: Diese Aussage allein, sagt noch nichts über die Ursachen – also wer dran Schuld ist. Schließlich wissen wir heute, dass sich das Klima im Laufe der Erdgeschichte des Öfteren geändert hat – Stichwort Eiszeiten. Was also macht diesen Wandel so besonders?

The atomspheric concentrations of carbon dioxide, methane and nitrous oxide have increased to levels unprecedented in at least the last 800.000 years.
(Die Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas sind auf Werte angestiegen, die seit den letzten 800.000 Jahren nicht vorgekommen sind.)

Grundaussage des Weltklima-Berichtes 2013

Eine der Grundaussagen des Weltklima-Berichts der Vereinten Nationen (gekürzt); erschienen im November 2013 (Graphik: ATV)

Böse Gase
Aha! Treibhausgase! Das, liebe Leute, was wir jetzt erleben ist einzigartig in der Erdgeschichte: Bisher haben stets extraterrestrische Ursachen einen Klimawandel ausgelöst – also Änderung der Sonneneinstrahlung oder der Erdbahnparameter. Auch die Plattentektonik war maßgeblich an so manchem Klimawandel Schuld. Kurzfristige Klimaschwankungen lieferten außerdem gerne mal Vulkanausbrüche. Und alles hatte stets eines zur Folge: Die Zusammensetzung der Treibhausgase hat sich geändert – und damit auch die globale Mitteltemperatur. Diesmal jedoch ist es genau umgekehrt: die Gase sind nicht Folge sondern Ursache! Und der Beginn dieser Ursache, also der Beginn des Anstiegs von Treibhausgasen, begann mit der Industrialisierung – also just zu dem Zeitpunkt, als die Menschheit auf den Geschmack von Kohle gekommen ist: Seit damals ist das Kohlendioxid um 40% angestiegen! Dumm nur, dass ausgerechnet Kohlendioxid den größten Einfluss auf unser Klima hat …

Zuviel ist nie gut
Wieviel Macht CO2 hat, sieht man an diesem Beispiel: Die Atmosphäre der Venus besteht zu 98% aus CO2 – ihre Oberflächentemperatur liegt bei etwas zu heißen 477 Grad! In unserer Atmosphäre ist Kohlendioxid hingegen nur ein Spurengas – Anteil lächerliche 0,04%. Und doch reichen diese wenigen Promille aus, die Erde zu „wärmen“: Ohne dem CO2, wäre unsere Welt ein Schneeball mit einer Oberflächentemperatur von -18 Grad! Wir sehen also: Kohlendioxid ist nicht per se unser Feind. Nur wie sooft gilt: die Menge macht’s …

Woher kommts?
Die auf Grund ihrer Zacken als „Sägezahnkurve“ bekannte Keeling-Kurve zeigt anschaulich, wie dramatisch der CO2-Anteil in der Atmosphäre allein in den letzten 60 Jahren angestiegen ist. Verursacher Nummer 1: Fossile Brennstoffe (Kohle, Gas, Öl). Bei diesen handelt es sich um Überreste von Lebewesen, die vor Jahrmillionen der Luft CO2 entzogen haben. Das gleiche macht jeder Baum. Wenn ich jetzt das Holz eines Baumes verbrenne, setze ich genau den Kohlenstoff frei, den dieser der Atmosphäre im Laufe von maximal ein paar Jahrzehnten (solange der Baum halt lebte) entnommen hat. Quasi ein Nullnummernspiel. ABER! Verbrenne ich Kohle (also die Überreste eines Baums, der vor Millionen von Jahren gelebt hat), setze ich just den Kohlenstoff frei, der seit Millionen Jahren in der Kohle gebunden war. Und schwups ist er wieder in der Atmosphäre. Das machen wir praktisch mit jeder Autofahrt, mit jedem Flug, ja selbst mit dem Anzünden einer normalen Kerze! Auch ich bin da keine Ausnahme.

Keeling-Kurve

Die berühmte „Keeling-Kurve“; sie zeigt den dramatischen Anstieg des CO2 in unserer Atmosphäre. Die Zacken der Kurve zeigen, wie die Erde „atmet“: Jeden Frühling, wenn die Vegetation erwacht, geht der CO2-Gehalt zurück, bevor er im Herbst wieder ansteigt … (Quelle: NOAA)

Conclusio
Und jetzt möchte ich wieder zu meinem Verräter-Kollegen zurückkehren. Wir wissen also a) der Klimawandel findet statt. Und b) Hauptursache hierfür sind Treibhausgase. Nun, mein Lieber, wer zum Kuckuck soll denn jetzt dafür verantwortlich sein, wenn nicht wir?

P.S.: Mittlerweile darf man sich gar nicht mehr die Frage stellen, ob man den Klimawandel aufhalten kann oder nicht. Dafür ist es zu spät. Man muss sich die Frage stellen: Wie kann ich die Auswirkungen so gering wie möglich halten? Das wird die Herausforderung für die Zukunft!

Dank an Thomas Rinderer (UBIMET), Thomas Kumpfmüller (AustroControl), Alexander Millecker (ATV) und Bahar Naghibi (ATV)

Ein Buchtipp zum Thema: „Wir Wettermacher“ von Tim Flannery – ist zwar nicht mehr top aktuell (2007) – liest sich aber spannend und ist auch für Laien ideal!