Willkommen im Sommer!

Jammerlappen
Nun denn, es ist so weit: Mit 1. Juni startet der Sommer! Damit ist Zeit, eine kleine Frühlingsbilanz zu ziehen – fast könnte man ja meinen, wir kämen grad aus einer Eiszeit, so viel wird gejammert. Ok, die letzten Tage waren frisch, sehr sogar, in manchen Regionen so kalt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie es allerdings davor war, haben viele schon wieder vergessen. Verdammtes Kurzzeitgedächtnis! Zur Erinnerung: Es war warm. Und zwar so warm, dass sich der Frühling 2015 (trotz vermeintlicher Eiszeit) unter die wärmsten der Geschichte reiht – kein Schmäh!

Zählen wir zusammen
So kalt der Mai am Ende auch war, mit seinem warmen Beginn hat er das mehr als wett gemacht – wir erinnern uns: bereits Anfang des Monats (also recht früh) gab’s die ersten 30er heuer (Höchstwert 31,8° in Weyer, OÖ). Damit schneidet der Mai in Summe normal ab (plus und minus gleichen sich ja aus, Abweichung +0,2°), März und April hingegen waren beide sehr warm (Abweichung +1,0° bzw. +0,5°) – et voila: Frühling zu warm. Einfache Mathematik!

Frühling in Wien

Der Frühling war besser, als viele glauben! Aufnahme von der Wiener Donauinsel im April 2015 (Foto: APA)

Summa summarum
Unter’m Strich steht damit ein Plus von +0,6°, was jetzt im ersten Moment nicht nach sonderlich viel klingt, aber immerhin für Platz 27 der wärmsten Frühlinge seit 1848 reicht1. Kann damit nicht ganz mit dem vom letzten Jahr mithalten (Platz 7), war aber deutlich besser als der im Jahr 2013 (Platz 171). Warum der Frühling dennoch – trotz aller gegenteiliger Bekundungen – als ein kalter in Erinnerung bleiben wird, liegt wohl am Niederschlag.

Temperaturabweichung Frühling 2015

Der Frühling 2015 war österreichweit zu warm! Abweichungen vom Mittel 1981-2010 (Quelle: ZAMG)

Pech oder Glück?
Dass nämlich just die zweite Maihälfte ins Wasser fällt, ist freilich Pech – zu groß ist da bei vielen schon die Vorfreude auf den Sommer. Aber auch hier schlägt wieder das Kurzzeitgedächtnis zu: Im Großteil des Landes nämlich, war es bis dahin um einiges zu trocken, flächendeckender Regen schon mehr als überfällig. In Kärnten beispielsweise, ist von Anfang April bis Mitte Mai so wenig Niederschlag gefallen, wie seit 70 Jahren nicht – schwere Waldbrände waren die Folge.

Regen vs. Sonne
Die Trockenheit im Osten, teils auch im Süden, ist übrigens keineswegs vom Tisch; der Mai-Regen konnte das Niederschlagsminus aber etwas verkleinern. Anders im Westen: Vorarlberg und Tirol haben zu viel des Regens abbekommen – hier war es gleich mal einer der nassesten Mai-Monate der Messgeschichte! Dass mit dem vielen Regen die Sonne zu kurz kommen muss, versteht sich von selbst. Gilt aber de facto nur für den Mai, denn (wir aktivieren wieder unser Langzeitgedächtnis) der April war als Ausgleich einer der sonnigsten der Geschichte (Platz 7) und auch der März hat sich punkto Sonne nicht lumpen lassen.

Niederschlagsabweichung Frühling 2015

Nasser Westen – trockener Osten/Süden. Der Frühling 2015 war niederschlagsmäßig wenig ausgeglichen. Abweichungen vom Mittel 1981-2010 (Quelle: ZAMG)

Conclusio
Wir sehen also: Oft spielt uns das Erinnerungsvermögen einen Streich. Ja, die letzte Maidekade war unterdurchschnittlich: zu kalt, zu trüb, zu nass. Das war es dann aber auch schon, der Rest des Frühlings war nämlich durch die Bank warm, sonnig und trocken – Jammern also definitiv nicht angebracht!

Ab in den Sommer!
Bleibt noch die Frage, ob man vom Frühling Rückschlüsse auf den Sommer ziehen kann. Nicht wirklich – der Frühling 2013 war beispielsweise kalt, der folgende Sommer heiß (für viele schon zu heiß) und brachte erstmals 40 Grad in Österreich. Der Frühling 2014 hingegen war sensationell, der Sommer dann so lala. Eines aber lässt sich sicher sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Sommer in Summe zu warm wird, ist recht hoch. Denn die Statistik zeigt: Die letzten 9 Sommer lagen alle über dem langjährigen Mittel (auch der letzte!), 2005 und 2004 waren eher normal, 2003 der heißeste der Geschichte. Man muss schon weit zurückblicken, um einen Sommer zu finden, der wirklich kalt war: 1996 – also mittlerweile vor fast 20 Jahren … und damit: Willkommen im Sommer 2015!

PS: Falls sich wer fragt, warum ich von Sommerbeginn rede, wo dieser doch erst am 21. Juni am Kalender steht: Wir Meteorologen rechnen anders! Für uns beginnt eine Jahreszeit immer am ersten des Monats, also Sommerbeginn = 1.Juni, Herbst = 1.September, usw.  Das hat praktische Gründe, ganze Monate lassen sich nämlich leichter vergleichen. Man könnte jetzt freilich sagen, wir Meteorologen wären faul. Aber warum die Sache unnötig komplizieren?

Dank an Alexander Orlik (ZAMG)


Fußnote:
1
 Abweichungen müssen sich auf was beziehen, in Österreich ist es in der Regel die Periode 1981-2010. International wird gerne die Periode 1961-1990 verwendet, die als “Klimanormalperiode” bekannt ist. Würde man den heurigen Frühling mit dieser vergleichen, käme eine Abweichung von +1,5° heraus – woraus sich zwingend schließen lässt, dass die Frühlinge in den letzten 30 Jahren allgemein massiv wärmer geworden sind. Anders ausgedrückt: In den 70er oder 80er des vergangenen Jahrhunderts hätte über den heurigen Frühling mit Garantie niemand gejammert … :)

 

2 Kommentare
  1. Andreas
    Andreas sagte:

    Dieses Mal bin ich auch voll rein gefallen. Hatte schon vergessen, dass es in Kärnten und der Steiermark gebrannt hat … typisch

    Antworten

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